Welt : Ein prächtiger Jahrgang

Manfred Kriener

Der Altweibersommer hat den zweiten Weinjahrgang des neuen Jahrtausends gerettet. Nach der düsteren Stimmung im patschnassen September hellten sich Mienen und Himmel im Oktober langsam auf. Die Angst vor einem erneuten Problemjahrgang machte einer großen Erleichterung Platz. Der 2001er wird - zumindest bei den guten Winzern im Land - einige großartige Weine bringen.

Sollte es in den nächsten Tagen kalt und vor allem trocken bleiben, könnten noch edelsüße Spitzen gelesen werden. Die Ertragsmenge liegt unter dem langjährigen Durchschnitt. Nur die frühreifen Sorten, wie etwa der Müller Thurgau, haben sich vom nassen September nicht mehr richtig erholt.

Im Vergleich zur Arbeitsschlacht des vergangenen Jahres, als die Trauben von einer teilweise dramatischen Fäulnis befallen waren und Traube für Traube selektioniert werden musste, konnte der neue Jahrgang fast entspannt gelesen werden. Ein Rundruf bei deutschen Topwinzern ergab ohne Ausnahme optimistische, teilweise sogar euphorische Kommentare. Und auch neutrale Beobachter bestätigen: ein viel versprechender Jahrgang. Die Pfalz, Baden, Rheinhessen und Franken melden gute bis sehr gute Qualitäten. Bernd Philippi vom Weingut Koehler-Ruprecht in der Pfalz hat die Burgundersorten durchweg mit Spätlese-Mostgewichten über 90 Oechsle eingebracht, sein Riesling in der Spitzenlage "Saumagen" lag sogar bei 100 Oechsle. "Beim Riesling hatten wir wirklich tolles Lesegut." Auch der Spätburgunder, die wichtigste deutsche Rotweinsorte, habe gutes Potenzial durch weitgehend gesundes Lesegut und beste Reife.

Cornelia Schneider vom gleichnamigen Endinger Weingut im Kaiserstuhl hat in der zweiten Oktoberwoche mit der Lese begonnen und "fast nur Spätlesen" aus "sehr aromatischen, superreifen Trauben" gekeltert. Ihr Spätburgunder, oft einer der besten im Badischen, brachte eine tiefe Farbe bei durchweg hohem Zuckergehalt. "Wir sind zufrieden!" Gert Aldinger hat in seinem Fellbacher Weingut nahe Stuttgart die Lese gestern beendet. "Ein toller Herbst, Gewinner sind vor allem die spätreifen Sorten, Rieslinge und Rotweine sind top."

Noch mitten in der Arbeit stecken dagegen die Riesling-Hochburgen in den nördlichen Anbaugebieten Rheingau, Mosel und Nahe. Aber auch hier gibt der 2001er Jahrgang Anlass zu schönsten Hoffnungen. Angela Kühn vom Rheingauer Weingut Peter Jakob Kühn in Oestrich-Winkel hat seit Jahren keine solch aromatischen Trauben gegessen, wie jetzt während der Rieslinglese. Die Oechslegehalte hätten inzwischen Ausleseniveau erreicht, und das Wetter ist ideal. Kalt und trocken lieben es jetzt die Winzer. Die Kälte vertreibt vor allem die Invasion der Fruchtfliegen.

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