Welt : Ein Priester für die SPD

Kirche suspendiert Bürgermeisterkandidaten

Christoph Schmidt Lunau[Wiesbaden]

Von einer „himmlischen Lösung“ für die Wiesbadener SPD sprach Ex-Oberbürgermeister Achim Exner; der Limburger Bischof, Franz Kamphaus, gab sein Bedauern zu Protokoll und enthob den Kandidaten seiner kirchlichen Ämter: Die Wiesbadener SPD hatte zuvor den katholischen Stadtdekan Ernst-Ewald Roth zum Oberbürgermeisterkandidaten gekürt. Ein Coup von Parteichef Pighetti, denn der in Wiesbaden bekannte und populäre Pfarrer hat nun gute Chancen, Rathauschef der Landeshauptstadt zu werden. Mit diesem Schritt verstößt Roth allerdings gegen Kirchenrecht. Priestern ist es seit dem 2. Vatikanischen Konzil untersagt, für weltliche Ämter zu kandidieren. Leicht sei ihm der Schritt nicht gefallen, gestand Roth am Mittwoch. Mit Bischof Kamphaus habe er sich vor der Entscheidung mehrfach beraten und ihn unmittelbar nach der Nominierung um Entbindung vom Amt des Pfarrers und Stadtdekans gebeten. Einstweilen beurlaubt, hofft Roth nun, dass der Bischof die endgültige Suspendierung erst nach der Wahl im nächsten Frühjahr ausspricht. Nach einer solchen Sanktion wegen „Ungehorsams“ kann der Bischof nämlich die Gehaltszahlungen auf ein „Tafelgeld“ kürzen, das lediglich den Lebensunterhalt sichert.

„Wer gewinnen will, muss etwas wagen“, sagte Ernst-Ewald Roth zu seiner ungewissen Zukunft. Dass er in Europa als erster Priester diesen Weg geht, sieht Roth als Chance und Herausforderung und widerspricht der Lesart, mit der Kandidatur dokumentiere er eine Entfremdung oder gar einen Bruch mit seiner Kirche. Scheitert Roth als Politiker, steht ihm die Rückkehr in den kirchlichen Dienst offen. Roth hatte häufig in der Vergangenheit auch als Pfarrer politisch Position bezogen, gegen Hartz IV und Irakkrieg.

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