Welt : Ein rostiger Koloss steigt langsam auf

Lothar Deeg

Nach der Hebung des russischen Atom-U-Bootes "Kursk" ist das niederländische Spezial-Bergungsschiff "Giant-4" am Dienstag aus dem Trockendock in der Barentssee gezogen worden. Das Hebeschiff sei am Morgen zu einem Ankerplatz in der Bucht von Rosljakowo geschleppt worden, teilte ein Sprecher der russischen Nordmeerflotte in Murmansk mit. Damit hat das niederländische Konsortium Smit-Mammoet seine rund 60 Millionen Dollar teure Mission zur Bergung der vor mehr als einem Jahr gesunkenen "Kursk" erfolgreich abgeschlossen.

Das U-Boot-Wrack soll nun nach Angaben der Nordmeerflotte zunächst auf Radioaktivität untersucht und anschließend trocken gelegt werden.

Die "Kursk" war am 8. Oktober vom Grund der Barentssee gehoben und vor den Hafen von Rosljakowo bei Murmansk geschleppt worden. Die Untersuchungen im Trockendock werden vermutlich drei Monate dauern. Das Atom-U-Boot mit 118 Seeleuten an Bord war am 12. August vergangenen Jahres bei einem Manöver unter noch nicht geklärten Umständen in der Barentssee gesunken.

Sobald die "Kursk" endgültig auf dem Trockenen liegt, soll das U-Boot unter Leitung der Staatsanwaltschaft gründlich untersucht werden. Als Erstes will man die Leichen der Besatzung herausholen.

Das Eindocken des 8400 Tonnen schweren U-Boot-Rumpfes gestaltete sich bedeutend komplizierter als erwartet: Nach der Ankunft des Bergungsschiffes "Giant-4" mit der darunter hängenden "Kursk" waren elf Tage vergangen. In dieser Zeit mussten die beiden eigens für diese Operation angefertigten Hilfspontons noch einmal umgebaut werden, da sich konstruktive Fehler eingeschlichen hatten. Am Sonntag wurden schliesslich noch eilig 500 Tonnen an entbehrlichen Geräten und Materialien von der "Giant-4" heruntergeschafft, um den Tiefgang des Verbandes aus Bergungsschiff, Pontons und U-Boot-Rumpf zu verringern. Erst dann konnte das monströse Gebilde vorsichtig in das abgetauchte Schwimmdock gezogen werden.

Auf der offiziellen Internet-Seite der Bergungsoperation wurde ein erstes Foto des Wracks veröffentlicht: Es zeigte die schon über Wasser liegende Rumpfoberseite im Hohlraum zwischen den Katamaran-Rümpfen der "Giant-4".

Die russischen Militärs werden zu verhindern wissen, dass Fernsehkameras und US-Spionagesatelliten gar zu viel von dem Wrack zu sehen bekommen: Das Dock soll anschliessend mit Tarnnetzen überzogen werden. Mit der offiziellen Übergabe des Wracks an die Generalstaatsanwaltschaft findet die in ihrem technischen Aufwand bislang einmalige Bergungsaktion ihr Ende. Der russische Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow flog am Montag nach Murmansk, um den Beginn der Ermittlungen persönlich zu leiten. Er versprach der Öffentlichkeit maximale Transparenz bei der Aufklärung der Unglücksursache - von militärischen Staatsgeheimnissen einmal abgesehen.

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