Welt : Ein Siegel für rote Rosen

SABINE SCHICKETANZ

BERLIN .Der Ansturm auf die Blumenläden steht kurz bevor.Am Sonntag ist Muttertag und damit Zeit für rote Rosen oder floristische Kunstwerke für die Vase.Doch Blumen sind nicht nur schön.Hinter den bunten Blüten verbergen sich oft Menschenrechtsverletzungen und Umweltschädigungen.Vor allem in Ländern der Dritten Welt leiden die Arbeiterinnen auf den Blumenplantagen unter der massiven Behandlung der Pflanzen mit giftigen, zum Teil in Europa gesetzlich verbotenen Pestiziden.Um den deutschen Verbrauchern, die pro Jahr immerhin acht Milliarden Mark für Blumen ausgeben, eine Möglichkeit zu geben, ohne schlechtes Gewissen einen Blumenstrauß kaufen zu können, haben jetzt der Verband des Deutschen Blumengroß- und Importhandels und die Menschenrechtsorganisationen "Brot für die Welt", "FINA" und "terre des hommes" ein "Flower Label" geschaffen.

Das Label, das ab morgen bundesweit eingesetzt wird, garantiere einen menschen- und umweltverträglichen Anbau, so der Geschäftsführer des Großhandelsverbandes, Henning Moeller.Firmen, die das Label erhalten wollen, müssen Gewerkschaftsrechte für die Plantagenarbeiter, ein Verbot von Kinderarbeit, existenzsichernde Löhne und den Verzicht auf giftige Pestizide garantieren.Überprüft wird die Einhaltung der Bedingungen durch die Agrar-Control GmbH, einer unabhängigen Gutachterbehörde der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.50 Blumenbetriebe aus Ecuador, Simbabwe und Kenia wurden bereits kontrolliert und haben das Siegel erhalten.

Der Gründung des "Flower-Labels" gingen harte Verhandlungen voraus.Bereits 1991 gründete sich die "Blumenkampagne", ein Zusammenschluß einiger Menschenrechtsorganisationen."Damals gab es viele Siegel, die sich aber nur auf den Umweltschutz bezogen.Wir wollten auch Sozialkriterien absichern", sagte der Sprecher von "terre des hommes", Michael Heuer.In dem gemeinsamen Programm haben nun der Großhandelsverband und die Menschenrechtsorganisationen gleiches Stimmrecht.Bedeutend teurer sollen die Blumen mit dem "Flower-Label" nicht sein."Wie sich die Erhöhung der Produktionskosten und der Löhne auf die Preise auswirkt, ist schwer abzuschätzen", sagte Heuer.Besonders in Ecuador habe das Label sich jedoch schon etabliert, zehn Prozent der nach Europa exportierten Blumen stammten mittlerweile von kontrollierten Firmen."Die Ecuador-Rosen halten sich besser und haben einen ganz großen Kopf", sagt die Berliner Floristin Doris Hübler, die ab morgen mit "Flower-Label" verkaufen wird.Die Resonanz der Verbraucher auf das angekündigte Siegel sei bisher unterschiedlich gewesen."Einige Kunden wollten informiert werden, anderen ist es ganz egal", so Blumenladen-Inhaber Joachim Matusch."Aber mir ist aufgefallen, daß die frischangelieferten Rosen nicht mehr so nach Pflanzenschutzmitteln riechen."

In Berlin sind Blumen mit dem "Flower-Label" bei folgenden Floristen erhältlich: Bleibtreu-Hotel, Bleibtreustraße 31; Killan, Mommsenstraße 16; B+P, Eisenacherstraße 79; Rückert, Passauer Straße 1-3 (Schöneberg); Morch, Waidmannsluster Damm 25; Sauertz, Cranachstraße 2; Matusch, Berliner Straße 166 (Wilmersdorf); Brucks, Tegel-Center; Bohs, S-Bhf.Neukölln; Rückert, Hubertusallee 10a; Guyot, Am Ritterholz 25; Meier, Sandstraße 40; Kost, Bismarckstraße 63 (Steglitz); Scholtz, Guerickestraße 36; Rößler, Hasenheide 116/117; Bleibtreu, Bleibtreustraße 40; Flower-Flirt, Rudower Straße 4; Koch, Westfälische Straße 38; Suchanek-Maliniewcs, S-Bhf.Feuerbachstraße.

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