Welt : Ein spendabler Einsiedler

Der Milliardär Paul Getty II. starb an einer Lungenentzündung

Jörg Berendsmeier

London. Er war ein menschenscheuer Milliardär und großzügiger Wohltäter: Sir John Paul Getty II. ist am Donnerstag im Alter von 70 Jahren in London an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Der Adlige galt als „schwarzes Schaf“ des amerikanischen Getty-Clans. Anders als sein Vater John Paul Getty I., der zeitweilig als reichster Mann der Welt bewundert und beneidet wurde, spendete Getty II. einen beträchtlichen Teil seines Privatvermögens. „So lange ich Geld habe, werde ich es verschenken“, sagte er einst. Der Milliardär wurde für sein Engagement 1986 von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben. So spendete er rund 75 Millionen Euro für die Londoner Nationalgalerie und 35 Millionen Euro für das Britische Filminstitut. Neben der Kunst profitierten auch das britische Cricket und Wohlfahrtsorganisationen von der Freigiebigkeit des steinreichen Mannes.

Großbritannien wählte Getty II. zu seiner Wahlheimat. 1997 nahm er die Staatsbürgerschaft des Vereinigten Königreiches an, nachdem er bereits 25 Jahre lang auf der Insel lebte. „Ich liebe die britische Lebensart. Ich liebe die Bevölkerung Großbritanniens. Ich liebe seine Geschichte und seine Zukunft“, sagte Getty II. in einem seiner seltenen Interviews.

Für Aufruhr sorgte die Entführung von Sir Pauls Sohn, John Paul Getty III., 1973 in Italien. Der Großvater des Jungen, Getty I., lehnte es zunächst ab, Lösegeld an die Kidnapper zu zahlen. Erst als diese ihrem Opfer ein Ohr abschnitten und es an eine Zeitung schickten, ließ sich der Gründer der Dynastie umstimmen.

Das Leben Gettys II. war von Schicksalsschlägen gekennzeichnet. 1971 starb die zweite von drei Ehefrauen mit 31 Jahren an einer Überdosis Drogen. Dies ließ ihn mitten in London zum Einsiedler werden, der sich in seinem Haus verschanzte. Sir Paul, der insgesamt fünf Kinder hatte, litt in den vergangenen Jahren unter Gesundheitsproblemen.

Zu den Freunden Gettys zählte auch Mick Jagger. Er sagte zum Tod des Milliardärs: „Paul war ein schrulliger und sehr großzügiger Mensch. Wir werden ihn sehr vermissen.“ (dpa)

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