Welt : Ein Staatschef macht Theater

Bizarrer Personenkult um Turkmenbaschi

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Aschchabad - Der Personenkult um den turkmenischen Präsidenten auf Lebenszeit, Saparmurat Nijasow, treibt neue Blüten: Jetzt eröffneten in der ehemaligen Sowjetrepublik fünf neue Theater, und alle führten Stücke des Turkmenbaschi auf, wie der „Führer der turkmenischen Völker“ auch genannt wird.

„Alle Ensembles unserer Theater haben sich zur Erstaufführung für Stücke entschlossen, die auf unsterblichen Werken des großen Saparmurat Turkmenbaschi beruhen“, sagte ein Mitarbeiter des turkmenischen Kulturministeriums. Die Werke hätten „große geistige Energie“ und seien dazu angetan, „weite Horizonte für die Kreativität“ zu öffnen. Nijasow, der sich zu den Eröffnungen per Bildübertragung zuschalten ließ, wehrte die öffentlichen Lobpreisungen ab: „Bitte bejubelt mich nicht so oft, es ist schwierig für mich, Beifall anzunehmen, der nur für mich gedacht ist“, sagte er. Klassische Stücke wurden im vergangenen Jahrzehnt nicht aufgeführt; der Präsident verbannte auch Opern und Ballett von der Bühne, weil sie „unpassend für die Mentalität des Landes“ seien. Zuletzt hatte Turkmenbaschi seine Landsleute mit Gedichten beglückt, die bei Lesungen für große Begeisterung sorgten. „Die Menschen hielten den Atem an und lauschten auf jedes Wort des Buches, jeder Vers wurde mit stürmischem und einmütigem Applaus begrüßt“, hieß es in der staatlichen Zeitung „Neutrales Turkmenien“. Nijasow ist in der ehemaligen Sowjetrepublik zugleich Regierungschef und Oberkommandierender der Armee. Außerdem ist er Vorsitzender der einzigen zugelassenen Partei. Sein Geburtstag ist Nationalfeiertag, und an strategischen Stellen des wüstenreichen Landes stehen goldene Statuen von ihm. AFP

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