Welt : Ein zweigeteiltes Märchen

Andreas Oswald

Viel Schnee in den Alpen - Nieselregen in der langen Nacht der Museen - Wetterchaos in den USAAndreas Oswald

Die gute Nachricht zuerst. Wer am kommenden Wochenende in die Winterferien fährt und sich die Alpen als Ziel ausgesucht hat, wird ideale Wintersportbedingungen vorfinden. Es liegt viel Schnee, kein Neuschnee, aber genug, um überall in den Alpen Ski fahren zu können. Es scheint dort auch öfter die Sonne, außerdem soll es milde sein, sagt Thomas Globig von Meteofax. Das bedeutet zwar, dass der Schnee an der Oberfläche ein wenig antauen kann, was die Gefahr von Beinbrüchen erhöht, aber richtige Wintersportler lieben die Herausforderung.

Nun die andere gute Nachricht, vielleicht ein wenig eingetrübt. Wer am Wochenende in Berlin bleibt oder nach Berlin kommt, um die lange Nacht der Museen mit zu erleben, der wird ebenfalls mildes Wetter vorfinden. Milde, das heißt auch nieselig. Ohne Schirm sollte man sich in der Nacht nicht auf den Weg machen. Das legen zumindest die derzeitigen Prognosen nahe. Bleibt zu hoffen, dass die Vorhersage diesmal nicht stimmt, aber die Meteorologen sind sich in ihrer Beurteilung ziemlich sicher.

Andererseits hat so ein Wetter auch sein Gutes. Wenn es nieselt, können die Wartenden vor den Museen unter den vorhandenen Schirmen enger an einander rücken, das ist auch schön.

So zeigt sich das Wetter in Deutschland geteilt, schön im Süden, trübe im Norden und im Osten.

Ursache der neuen Wetterlage - die kälteste Nacht des Jahres mit Temperaturen um minus 34 Grad liegt erst kurz hinter uns - ist die Tatsache, dass das Hoch nach Süden gezogen ist und über dem Atlantik Tiefs nach Skandinavien ziehen. Tiefs im Norden, Hochs im Süden - das bedeutet im Winter: milde Temperaturen und Nieselregen. Wenn unter diesen Vorgaben dann noch ein kalter Schneesturm von Kanada die US-Ostküste hinunterrast, dann werden die Luftmassen am Golf von Mexiko wie in einer Steilkurve umgeleitet, so dass mit dem Golfstrom warme - und auch feuchte - Luft nach Europa strömt, die für trübes Wetter sorgt.

US-Ostküste im Schnee

Das Schneechaos im Osten der USA hat das öffentliche Leben am Mittwoch lahm gelegt, berichten Leute telefonisch aus New York und Washington. Hundertausende Menschen waren weiter ohne Strom. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen, in der Hauptstadt Washington wurden 250 000 Bundesangestellte aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Fast alle Schulen waren am zweiten Tag hintereinander geschlossen. Viele Geschäfte blieben ebenfalls zu. Mindestens vier Menschen kamen in dem überraschenden Schneesturm ums Leben.

In den Flughäfen mussten seit Dienstag Zehntausende Reisende auf ihre Flüge warten. Die Fluggesellschaften American Airline, Continental Airlines und Delta strichen über tausend Flüge. Die Flughäfen La Guardia in New York, der Logans-Flughafen in Boston und der Ronald Reagan-Airport in Washington waren zeitweise ganz geschlossen.

Staus am Wochenende

Auch am kommenden Wochenende dürfte ein Andrang von Winterurlaubern wieder Staus auf den Fernstraßen in Richtung Alpen zur Folge haben. Der Autoklub ADAC erklärte am Dienstag in München, die beginnende Ski-Hauptsaison und der Anfang der Winterferien in Berlin und Brandenburg würden regen Verkehr in die Skigebiete zur Folge haben. Auch Rückreisende könnten Staus, vor allem in Süddeutschland, verursachen.Mit Behinderungen ist laut ADAC auf folgenden Strecken zu rechnen: A9 Berlin - Hof - Nürnberg - München, A2 Berlin - Hannover, A13 Berlin - Dresden, A4 Eisenach - Dresden - Bautzen, A3 Frankfurt - Würzburg - Nürnberg, A7 Würzburg - Kempten, A99 Umfahrung München, A8 Karlsruhe - Stuttgart - München - Salzburg, A95/B2 München - Garmisch-Partenkirchen, A93 Inntaldreieck - Kufstein, A7/B309 Kempten - Pfronten.

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