Welt : Ein zweiter Wohnsitz kann teuer werden

Nadia-Maria Chaar[dpa]

Pendler, die einen Zweitwohnsitz in Erwägung ziehen, sollten sich den Umzug genau überlegen. Immer mehr Gemeinden erheben nämlich die sogenannte Zweitwohnungssteuer. Für das Appartement am Arbeitsplatz zahlen Berufstätige dann extra an den Fiskus. „Die Zweitwohnungssteuer ist eine kommunale Aufwandsteuer, die von einigen Kommunen erhoben wird“, erläutert Julia Berg vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Die Begründung: Auch diejenigen, die bloß ihren Zweitwohnsitz vor Ort haben, profitierten von der lokalen Infrastruktur wie Straßen, Bädern und Theatern. Mehr als 60 Städte haben die Steuer inzwischen eingeführt – darunter München, Köln, Hamburg und Berlin. Aber auch etliche Studentenstädte wie Augsburg, Tübingen und Heidelberg folgten dem Beispiel, genauso Ferienorte von Garmisch-Partenkirchen bis Cuxhaven.

„Unter einer Zweit- oder Nebenwohnung versteht man Wohnraum, in dem sich der Inhaber nicht dauernd, sondern nur vorübergehend aufhält,“ erklärt Jörg Luxem, Fachanwalt für Steuerrecht in Bergisch Gladbach. Irrelevant ist, warum die Wohnung unterhalten oder in welchem Umfang sie genutzt wird. Ob und wie viel Steuer fällig wird, regeln die Satzungen der Kommunen. „Die Bemessung ist sehr unterschiedlich“, sagt Julia Berg. Ausgangspunkt könne die Jahresnettokaltmiete oder die Wohnfläche sein. Die Steuersätze reichen dabei von fünf Prozent der Jahreskaltmiete in Berlin bis zu 16 Prozent derselben in Erfurt. Teilweise zahlt man auch nach Miethöhe gestaffelte Pauschalbeträge.

Wer sich anmeldet, bekommt einen Zweitwohnungssteuerbescheid. Meldet man sich nicht, bedeutet das: Steuerhinterziehung. Mit etwas Kreativität lässt sich die Steuer aber manchmal doch umgehen: Indem Erst- und Zweitwohnsitz getauscht werden, falls an einem Ort keine Steuer anfällt. Nadia-Maria Chaar, dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar