• Ein zwölfjähriger Junge erlag seinen schweren Schädel-Gehirn-Verletzungen. Unfallursache bleibt unklar

Welt : Ein zwölfjähriger Junge erlag seinen schweren Schädel-Gehirn-Verletzungen. Unfallursache bleibt unklar

Claus-Dieter Steyer

Die Zahl der Toten nach dem schweren Schulbusunglück bei Altlandsberg hat sich gestern auf fünf erhöht. Im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn erlag ein zwölfjähriger Junge seinen schweren Verletzungen. Damit verloren bei dem Unfall am Dienstag vier Kinder und der Busfahrer ihr Leben. Die Ursache für die Tragödie blieb trotz intensiver Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gestern weiter unklar.



Kurz nach Mitternacht mussten Ärzte und Schwestern der Intensivstation im Berliner Unfallkrankenhaus resignieren. Der Kampf um das Leben des beim Unglück schwer verletzten zwölfjährigen Jungen konnte nicht gewonnen werden. Zu stark waren die Schäden am Kopf. Offenbar hatte der 12-Jährige zum Unfallzeitpunkt auf der rechten Seite des Busses gesessen, die beim Aufprall gegen den Straßenbaum völlig eingedrückt wurde. Hier hatten die Helfer am Unfallort auch die drei sofort getöteten Kinder aus dem Wrack gezogen. Alle waren Schüler der 5. und 6. Klasse der Grundschule Altlandsberg.

"Unser Team hat das maximal Mögliche geleistet, um das Leben des Jungen zu retten", sagte der ärztliche Leiter und Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Unfallkrankenhauses, Dr. Walter Schaffartzik. "Ihm stand eine Technik auf dem höchsten derzeit denkbaren Niveau zur Verfügung. Doch die Schädel-Gehirn-Verletzungen waren bedauerlicherweise zu schwerwiegend." Fast 60 Stunden kämpften Mediziner um das Leben des Jungen. "Es ist von Anfang organisatorisch an alles richtig gemacht worden", erklärte Dr. Schaffartzik. "Von der Erstversorgung am Unfallort bis zur Betreuung durch unsere Spezialisten hat alles ohne Beanstandungen funktioniert. Dennoch war das Leben nicht zu retten."

Die ersten Notärzte waren bereits zehn Minuten nach dem Unfall an der Unglücksstelle zwischen Altlandsberg und Buchholz eingetroffen, rund zehn Kilometer von der nordöstlichen Berliner Stadtgrenze entfernt. Rettungshubschrauber und Krankenwagen brachten die Verletzten in umliegende Krankenhäuser sowie in das auf schwere Unfälle spezialisierte Marzahner Krankenhaus. Dort war der jetzt verstorbene Junge nicht wieder zu Bewusstsein gelangt. Ein behandelnder Arzt sagte, dass Sicherheitsgurte im Bus in diesem Fall das Ausmaß des Dramas verringert hätten. Die Kinder hätten solche starken Verletzung im Körperinneren sowie am Kopf erlitten, wie sie aus der Zeit vor der Anschnallpflicht in Pkw bekannt gewesen waren.

In der Obhut des Unfallkrankenhauses befinden sich noch drei beim Busunglück verletzte Kinder. Zwei von ihnen konnten am am Donnerstag von der Intensiv- auf eine normale Bettenstation verlegt werden. Ein zehnjähriger Junge muss in der nächsten Woche noch einmal operiert werden. Er war am Unglückstag nach der Operation an Bauch und Kopf in ein künstliches Koma versetzt worden. "Wir hatten die Vollnarkose für eine gewisse Zeit heruntergefahren, haben sie aber nun wieder eingesetzt", teilte Direktor Schaffartzik mit. Das sei nicht außergewöhnlich. Der Zustand dieses Kindes sei stabil. Akute Lebensgefahr bestehe nicht.

Unterdessen ermittelte die zuständige Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) weiter intensiv nach der Ursache des Unfalls. "Vor Montag werden allerdings keine Ergebnisse der Dekra zur technischen Untersuchung des Busses vorliegen", sagte die Sprecherin Petra Marx. Eine spezielle Arbeitsgruppe der Staatsanwaltschaft setze die Befragung der Zeugen fort, um Widersprüche in den bisherigen Aussagen auszuräumen.

Wie berichtet, haben Kinder nach dem Unfall von einem Streit zwischen zwei Schülern erzählt. Dadurch könnte der Fahrer womöglich abgelenkt worden sein und für einen Augenblick die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren haben. Dem widersprechen allerdings andere mitreisende Kinder. Außerdem war der 61-Jährige Fahrer erfahren im Umgang mit Schulbussen. Die nächste Haltestelle in Buchholz befand sich obendrein höchstens 400 Meter von der Unglücksstelle entfernt, so dass er dort den möglichen Streit hätte schlichten können.

Widersprüchliche Angaben gibt es auch zur Beteiligung anderer Autofahrer. Ein Mädchen hatte von einem entgegenkommenden "Geisterfahrer" auf der Seite des Busses berichtet. Das versuchte Ausweichen könnte die abrupte Lenkmanöver nach links erklären. Ein dem Bus nachfolgender Autofahrer bestritt jedoch das Auftauchen eines anderen entgegenkommenden Fahrzeuges.

Die Stadt Altlandsberg richtete unterdessen ein Spendenkonto zur Hilfe für die Hinterbliebenen des Unfalls ein. Es lautet 3000448844, Bankleitzahl 170 540 40, Sparkasse Märkisch-Oderland. Am Sonntag findet in der Altlandsberger Kirche die Trauerfeier für die Opfer statt.

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