Welt : Einbahnstraßen: Radfahrer sollen in falsche Richtung fahren dürfen

Beschluß des Bundesrates / Autoclubs äußern ZweifelBONN (AFP).Radfahrer sollen nach dem Willen des Bundesrates künftig bundesweit ganz legal Einbahnstraßen mit wenig Verkehr auch in Gegenrichtung befahren dürfen.Diese am Freitag beschlossene Regelung soll vorerst bis Ende des Jahres 2000 befristet sein und zudem nur in Straßen mit einer Tempo-30-Regelung gelten.Die betreffenden Straßen sollen mit einem Zusatzschild gekennzeichnet werden.Der Bundesratsbeschluß wird nun vom Verkehrsministerium geprüft.Der radfreundliche Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Autoclub Europa (ACE) begrüßten die Entscheidung uneingeschränkt.Der Automobilclub von Deutschland (AvD) und der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) meldeten dagegen Bedenken an. Nach Ansicht des ökologisch orientierten VCD könnten Radfahrer als die schwächeren Verkehrsteilnehmer mit Hilfe der vom Bundesrat vorgeschlagenen Lösung besser durch die Städte kommen.Zudem hätten bereits viele Versuche auf kommunaler Ebene gezeigt, daß solch eine Regelung kein erhöhtes Sicherheitsrisiko mit sich bringe.ACE-Sprecher Hillgärtner sagte, angesichts wachsender Verkehrsprobleme sei es aber höchste Zeit, sich auch unkonventionellen Regelungen zu öffnen.Wer den Vorschlag nur durch eine "beschlagene Autofahrerbrille" betrachte, plädiere für Stillstand im Verkehrsrecht.Der ADAC sprach sich dafür aus, Einbahnstraßen nur unter bestimmten Umständen freizugeben.Wenn Autofahrer durch Schilder oder Fahrbahnmarkierungen auf Gegenverkehr hingewiesen würden und Vorfahrtsregelungen beim Querverkehr vorhanden seien, stimme der ADAC dem Versuch in wenig befahrenen Straßen zu. Der Autoclub von Deutschland (AvD) bezeichnete die Aufhebung des Fahrtrichtungszwangs als "zweischneidig".Für Radfahrer seien kürzere Wege zwar von unschätzbarem Vorteil.Autofahrer müßten jedoch mit zusätzlichen Gefahrenquellen rechnen, wenn ihnen in Einbahnstraßen plötzlich Radfahrer entgegenkämen.

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