Welt : Eine Affäre im Pool

Ist Österreichs verliebter Finanzminister amtsmüde?

Markus Huber[Wien]

Wie ein verliebter Pennäler soll er Kurzmitteilungen übers Handy verfasst haben, sagen seine Kollegen. Am vergangenen Wochenende, das dank des katholischen Feiertags am Donnerstag sogar vier Tage dauerte, war er dann wieder auf Capri. Der 36-jährige Karl-Heinz Grasser erlebt in diesen Tagen wohl Frühlingsgefühle der besonderen Art, und dass es in Wien derzeit ungewöhnlich kalt ist, wird seiner Laune keinen Abbruch tun, weil er ohnehin selten vor Ort ist. Grasser, das kann man so sagen, ist verliebt bis über beide Ohren, und das würde ihm in Wien auch niemand verübeln, hätte die Sache nicht einige Haken. Grasser ist immerhin Österreichs Finanzminister. Außerdem: Seine Angebetete heißt Fiona Swarovski, ist nicht nur Multimillionärin aus dem gleichnamigen Tiroler Kristall-Konzern sondern auch anerkanntes Mitglied des internationalen Jetsets.

Und so hält die Verbindung zwischen dem Sohn eines Klagenfurter Autoverkäufers und der Ex-Geliebten von Society-Größen wie Florian Haffa und Formel-1-Manager Flavio Briatore Österreich in Atem wie selten eine Romanze zuvor. Schon seit dem ersten gemeinsamen Auftauchen der beiden – sie wurden nach einem romantischen Weekend in Paris am Flughafen von einer Schülergruppe fotografiert – sorgen die beiden für Schlagzeilen. Schließlich war Grasser zum Zeitpunkt der Aufnahme noch mit einer anderen Frau verlobt und dementierte alle Gerüchte über eine neue Affäre. Doch seit er seine Verlobung vor zwei Wochen auch offiziell gelöst hat, gibt es für Grasser und seine neue Liebe kein Halten mehr. Immer wieder tauchen Fotos der beiden auf, sie zeigen das Paar beim Shopping in New York oder schmusend im Cabriolet auf Capri. Es gibt Aufnahmen, auf denen die beiden ziemlich exhaltiert in einem Club tanzen, und Parties feiern für sich selbst und ihre 500 engsten Freunde. Alles wird dokumentiert von den professionellen italienischen Paparazzi, die Swarovskis Anwesen auf Capri bereits seit Jahren belagern, weil dort hin und wieder die Society-Könige Europas aus und ein gehen – am vorvergangenen Wochenende, als Grasser wegen Arbeit in Wien weilen musste, war beispielsweise ihr Ex-Lover Flavio Briatore zu Gast.

Der Aufsteiger Grasser, der es in Österreich zum populärsten Politiker des Landes geschafft hatte, scheint sich in dieser Gesellschaft wohl zu fühlen. Als „Jetset-Minister“ wurde er vom österreichischen Wirtschaftsmagazin „Format“ bereits tituliert, die Klatschgazette „News“ druckte sogar Grassers Terminkalender flächenfüllend im Heft ab – die Anzahl der Urlaubstage überwog die der Arbeitstage deutlich.

Wie lange diese Liebe gut gehen kann? Grasser selbst will weiterhin keinen Kommentar abgeben, Fiona Swarovski ist da schon deutlich anders gestrickt. Ganz Society-Profi, machte sie dem österreichischen Finanzminister etwa am Dienstag im „Corriere della Sera“ eine öffentliche Liebeserklärung und verkündete gar, dass sie gerne von ihm ein Kind hätte – Swarovski hat bereits drei von zwei verschiedenen Männern. Grasser, so wusste kürzlich „News“ nach einem Ortstermin zu berichten, würde mit ihnen „sehr sehr herzlich umgehen“.

Ein bisschen erinnert die Affäre an die Causa Rudolf Scharping. Auch der ehemalige deutsche Verteidigungsminister hatte 2002 mit privaten Plantschfotos aus dem mallorquinischen Pool für Aufsehen gesorgt – und damit wohl auch seinen endgültigen Abschied aus der Regierung eingeleitet. Bei Grasser könnte das ähnlich sein. Er hat die Fotos aus Capri zwar nicht in Auftrag gegeben, als PR-Profi sollte er aber wissen, dass die Paparazzi rund um Swarovskis Gartenzaun lauern. Ihm wird Amtsmüdigkeit nachgesagt. Zurzeit verdichten sich die Gerüchte, dass er bereits in Kürze als Minister abgelöst werden wird und in die Privatwirtschaft wechseln möchte.

Ob er dann noch genauso viel Zeit für Kurztripps nach Capri haben wird?

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