Welt : "Eine echt verrückte Nacht": Kuscheldrachen und Bücherhasser

Ulrich Karger

Eine fulminante Such- und Findegeschichte. Die zehnjährige Paula Pumpernickel ist eine richtige Leseratte und liebt nicht zuletzt auch die klassischen Kinderbuchhelden. Eines Tages entdeckt sie gemeinsam mit ihrem Kuscheldrachen Emil Erdbeer ein ganz besonderes Buch. Es erzählt auf zum Teil losen Blättern vom König Dasgibtsnicht, der Bücher hasst, weil es die Geschichten "in echt" ja gar nicht gibt. Das ist so spannend, dass Paula noch lange nach dem Zubettgehen mit einer Taschenlampe unter der Decke weiterliest. Doch als sie sich zwischendurch etwas zu trinken holt, scheint ein Luftzug die losen Seiten aus dem Fenster gewirbelt zu haben. Zum Traurigsein bleibt Paula jedoch keine Zeit, denn jetzt taucht plötzlich Peter Pan auf, der zusammen mit ihr und Emil Erdbeer die Verfolgung der entflogenen Buchseiten aufnehmen will.

Der seit langem in Berlin lebende Autor Kemal Kurt hat hier eine märchenhafte Abenteuergeschichte verfast, deren Veröffentlichung völlig zu Recht mit dem Autorenstipendium 2000 der Preußischen Seehandlung vorangetrieben wurde. Die beiden Erzählstränge sind mitreißend komponiert, so dass am Ende alles auf den Kopf gestellt und der bücherfeindliche König zum überzeugten Bücherfreund wird.

Ohne dass es jemals aufgesetzt wirken würde, webt Kurt nicht nur geschickt Peter Pan und seine Welt, sondern auch noch Alice, Mowgli, Gulliver und Pinocchio in die Handlung ein. Dabei schöpft sein eigener Sprachwitz aus dem Vollen und kreiert weiterführende Rätsel, ulkige Wortspiele und schafft, schaurige Phantasien wie Reißwölfe herauf zu beschwören. Darüber hinaus hat er ans Ende appetitanregende Zusammenfassungen über die zitierten Klassiker-Figuren angehängt. Die traumhaft schönen Illustrationen von Karoline Kehr dürfen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Sie verleihen der "echt verrückten Nacht" eine weitere farbenprächtige Note.

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