Eine himmlische Geschichte : Red Bull: 13 Millionen statt zwei Flügel

Ein amerikanisches Gericht hat einem Konsumenten eines Energiedrinks 13 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen, weil die in der Werbung versprochene Wirkung nicht eintrat. Zum Abheben.

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Geht doch. Der Schweizer Joel Eggimann tritt auf der griechischen Insel Santorini bei der Red Bull Art of Motion auf.
Geht doch. Der Schweizer Joel Eggimann tritt auf der griechischen Insel Santorini bei der Red Bull Art of Motion auf.Foto: dpa

Engel haben Flügel. Das ist ja wohl klar wie Kloßbrühe. Wie sollten sie sonst hoch unter die Kirchendecken kommen? Sie flattern mit den Flügeln und fliegen. Ach, fliegen, grenzenlos, schwerelos, ein Traum. Man könnte von A nach B fliegen. Oder von B nach A. B wie Berlin und A wie Amerika. Und wenn man auf dem Flug müde wird, kann ja mal passieren, sucht man unter sich irgendein schönes Eiland, eins, auf dem es eine Strandbar gibt, flattert runter, hin zu der Strandbar, ordert dort einen Drink, einen ganz bestimmten Drink, trinkt und schwupps geht es schon wieder weiter nach Amerika. Weil dieser Drink nämlich Flügel verleiht.

Frische, neue Flügel voller Energie. Und wenn man in Amerika runterplumpst, weil die Flügel wieder lahm geworden sind, bekommt man immerhin 13 Millionen amerikanische Dollar. Damit kann man zum Ticketschalter des JFK-Airports gehen, oder wo auch immer man runtergeplumpst ist, und ein Ticket für den Rückflug kaufen. Sogar Businessclass. So viel Geld hat jetzt ein Gericht einem Mann zugesprochen, der über ein Jahrzehnt diesen beflügelten Drink getrunken hat.

Ich mag kein Kaugummi, auch kein flüssiges

Warum er das tat, weiß ich auch nicht. Ich habe mal einen Schluck davon genommen und mich zum sofortigen Boykott entschlossen. Ich mag kein Kaugummi, auch kein flüssiges. Der nun reiche Mann offensichtlich schon. Der Hersteller des Getränks, aus Österreich stammend, Liebhaber rasend schneller Autos, der Farbkombination Rot-Blau und des ostdeutschen Fußballs, dieser Hersteller also zahlt das Geld aber nicht als Entschädigung für erlittene Höllenqualen beim Konsum des Gesöffs. Sondern weil der Kläger nachweisen konnte, dass er in all den Jahren erstaunlicherweise gar keine Flügel bekommen hat, obwohl ihm die Werbung das versprochen hat.

Im Grundsatz erinnert der Werbespruch an jenen Schokoriegel, der mobil macht bei Arbeit, Sport und Spiel. Nur dass dessen Werbesprücheklopfer cleverer waren und keine haltlosen Versprechungen machten, sondern nur versprachen, dass ihr Riegel verbrauchte Energie zurückbringe. Von verbrauchter Energie kann man keine Leistungssteigerung verlangen. Andererseits hätte der Kaugummitrinker aber auch selber darauf kommen können, dass der Spruch nicht wahrheitsgemäß sein kann. Wenn er nämlich tatsächlich schon mal rote Rindviecher gesehen hat, die durch die Lüfte flattern, dann hat er gewiss etwas ganz anderes Halluzinogenes zu sich genommen.

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