Welt : Eine Schlammschlacht

In Dresden kochen jetzt alte Konflikte zwischen Kliniken hoch

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Dresden (dpa). Es war die wohl größte Evakuierungsaktion von Krankenhäusern in der deutschen Nachkriegsgeschichte: 2400 Menschen mussten ihre Betten in Kliniken der Stadt Dresden auf der Flucht vor dem Hochwasser verlassen. Die Krankenhäuser wurden überflutet, zurück blieben Massen von Schlamm. Zwei Wochen nach der Katastrophe liefern sich die Verantwortlichen in Dresden eine Schlammschlacht ganz anderer Art: Bei dem handfesten Krach scheinen lang anhaltende Konflikte zwischen den städtischen Krankenhäusern und dem vom Land Sachsen getragenen Universitätsklinikum zu Tage zu kommen.

Kritik am Krisenstab

Im Zusammenhang mit der Evakuierung werden ungeheuerliche Vorwürfe laut. Prof. Gerhard Ehninger, Direktor der Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum, wirft der Stadt Dresden Versagen vor. „Sie hat entnervt und unprofessionell reagiert. Da ist ein Krisenstab selbst zur Gefahr geworden.“ Auch sein Kollege, der Urologe Prof. Manfred Wirth glaubt, der städtische Krisenstab habe mehr durcheinander gebracht, als geholfen.

Kogge und der Leitende Notarzt, Thomas Künstle, werfen dem Universitätsklinikum ihrerseits Eigensinn und Verweigerungshaltung vor. Der Krisenstab habe der Universität rechtzeitig angeboten, bei der Evakuierung zu helfen. Alle Angebote von Material und Personal seien jedoch abgelehnt worden, sagt Künstle. Erst als es fast schon zu spät war, hätten die Professoren die Evakuierung in Eigenregie und ohne Hilfe der Bundeswehr-Hubschrauber angeordnet. Für die Patienten seien so unverantwortliche Zusatzbelastungen entstanden, etwa durch längere Transportzeiten im Krankenwagen statt eines kurzen Fluges im gut ausgestatteten Helikopter. „Es stand ein Hubschrauber mit elf Inkubatoren bereit, stattdessen wurden Frühchen stundenlang mit dem Krankenwagen nach Berlin transportiert“, sagt Kogge.

„Der Einsatz von Bundeswehr-Fliegern war völlig übertrieben“, kontert Ehninger. Nicht aus damaliger und schon gar nicht aus heutiger Sicht sei die Räumung des Universitätsklinikums überhaupt nötig gewesen.

In den Hochwasserregionen entlang der Elbe droht nach Einschätzung von Experten eine gigantische Mückenplage. Der Insektenexperte am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Andreas Krüger, rechnet zehn bis 14 Tage nach dem Hochwasser mit einer ungeheuren Mückeninvasion. „Solange das Wasser fließt, ist es uninteressant für Mücken“, sagte Krüger. Sobald sich jedoch stehende Tümpel und Pfützen bildeten, seien die Plagegeister in ihrem Element. Wegen der Sommerhitze entwickelten sie sich schneller als in kälteren Sommern. Gabriele Liebisch vom Labor „Zecklab“ für klinische Diagnostik und Prüfung in Burgwedel bei Hannover erklärte, in diesem Sommer gebe es in einem Monat so viele Mücken wie sonst in einem Jahr.

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