Welt : Eine seltene Bescherung

Kinder, die am 29. Februar geboren sind, dürften eigentlich nur alle vier Jahre feiern – in Zukunft wird ein ganzer Tag gestrichen

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Rostock / Hamburg (dpa/Reh). In diesem Jahr dauert der Winter einen Tag länger, denn 2004 ist ein Schaltjahr. Doch es besteht kein Grund sich zu ärgern, denn erstens scheint die Sonne und zweitens würde ohne den Schalttag im Kalender das reinste Chaos herrschen. „Die Erdrotation bestimmt die Tageslänge und der Umlauf der Erde um die Sonne die Anzahl der Jahrestage“, erklärt Immo Appenzeller, Ordinarius für Astronomie an der Universität Heidelberg. Die Jahreslänge lässt sich aber nicht mit einer glatten Zahl ausdrücken, da die Erdrotation unabhängig vom Umlauf der Erde um die Sonne ist.

Das Sonnenjahr – die Zeit, in der sich die Erde um die Sonne dreht – dauert nicht 365 Tage. Ganz genau genommen sind es 365,2422 Tage, und das ist die Krux.

Ohne einen Schalttag wie den 29. Februar würde sich das Datum im Kalender jedes Jahr um einen viertel Tag gegenüber der Jahreszeit verschieben. Nach rund 350 Jahren fiele der Frühlingsanfang auf diese Weise in den Dezember. „Der Schalttag wird im Februar eingefügt, weil es der kürzeste Monat ist“, erläutert Dieter Herrmann, Direktor der Archenhold-Sternwarte und des Zeiss- Planetariums in Berlin.

Schon die alten Ägypter wussten um das Problem mit dem Sonnenjahr. Doch erst im Jahr 238 vor Christus führten sie alle vier Jahre einen Schalttag ein. Cäsar übernahm diese Regelung in den Julianischen Kalender. Nur war sein Jahr mit 365,2500 Tagen genau elf Minuten und 46 Sekunden länger als ein Sonnenjahr. 1582 zog Papst Gregor XIII die Notbremse. Er strich 10 Tage aus dem Kalender, um ihn wieder ins Lot zu bringen.

Damit das nicht noch einmal passiert, gilt seitdem für Schaltjahre eine Sonderregel: Ein so genanntes Säkularjahr mit zwei Nullen am Ende, dessen Zahl nicht durch 400 teilbar ist, hat keinen Schalttag. So waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre, das Jahr 2000 aber schon. „Und auch wer am 29. Februar Geburtstag hat, wird trotzdem jedes Jahr älter“, scherzt Herrmann.

Dennoch ist der 29. Februar ein vergleichsweise seltenes Geburtsdatum, was sich am Beispiel Hamburg erläutern lässt. Und das natürlich nicht, weil es ihn nur alle vier Jahre gibt. Für 34 Kinder in der Hansestadt jährt sich vier Jahre nach ihrer Geburt in diesem Februar zum ersten Mal ihr „echter“ Geburtstag. Die Kleinen hatten im Jahr 2000 am 29. Februar das Licht der Welt erblickt, wie das Statistische Landesamt verzeichnete. Statistisch gesehen sind die jungen Schalttagskinder eine kleine Gruppe: An den anderen Tagen im Februar 2000 waren in Hamburg durchschnittlich 46 Babys zur Welt gekommen. Zum Heiraten hingegen ist der 29. Februar besonders beliebt. Ähnlich wie der erste April: 27 Paare wählten das Datum als Hochzeitstag, mehr als die durchschnittlich 21 an den übrigen Tagen des Monats. Woran das liegt, ist reine Spekulation. Ob sie sich von der Masse abheben wollen oder ihre Entscheidung doch nicht so ernst meinen?

Weit in der Zukunft lauert eine neues kalendarisches Problem: Im Jahr 4782 muss voraussichtlich ein Tag aus dem Kalender gestrichen werden. Der Grund ist die Zeitdifferenz zwischen dem Kalender und dem astronomischen „Tropischen Jahr“, das die Jahreszeiten bestimmt. Die Schalttagregelung ist auf lange Sicht zu ungenau, erläuterte der Rostocker Physiker Ronald Redmer: „Im Gregorianischen Kalender ist das Jahr rund 27 Sekunden zu lang. Das macht in 3200 Jahren einen Tag.“ Nach dem Kalender von Papst Gregor XIII. misst das Jahr 365,2425 Tage. Das Tropische Jahr ist kürzer und dauert nur etwa 365,2422 Tage. Die Zeitdifferenz summiere sich Jahr für Jahr und müsste irgendwann ausgeglichen werden, betonte Redmer. Ein Tag muss also daran glauben. Doch dann werden wir alle das Zeitliche längst gesegnet haben.

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