Welt : Einer braust auf

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Zwischen dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach und Kachelmanns Wetterdienst Meteomedia ist erneut ein Streit um Orkanvorhersagen entbrannt. Die Offenbacher Meteorologen hätten am Montagabend nicht vor dem Orkan gewarnt, obwohl alle Daten vorgelegen hätten, kritisierte Jörg Kachelmann von Meteomedia. "Die Fragen werden immer erst dann gestellt, wenn es Tote gegeben hat." Da habe sich ein "Vorhersageversagen" wiederholt, wie bei den Orkanen "Lothar" und "Anatol" der vergangenen Jahre.

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Der Sprecher des DWD, Uwe Wesp, wies Kachelmanns Vorwürfe als "Polemik" zurück. "Wenn Menschen bei einem solchen Unwetter von einem Baum erschlagen werden, ist das nicht die Schuld des Wetterdienstes", sagte Wesp am Mittwoch der dpa.

Der Deutsche Wetterdienst ist allerdings eine Behörde, deren Aufgabe unter anderem darin besteht, Warnungen zu verbreiten, wenn durch das Wetter "Gefahr für Leib und Leben besteht", sagte Sprecher Hoyer gestern. Weil dies eine hoheitliche Aufgabe ist, handelt es sich um eine Behörde, die mit Steuergeldern finanziert wird und nicht um ein privatwirtschaftliches Unternehmen.

Ob der Wetterdienst diesmal rechtzeitig warnte, oder nicht, wie schon einmal 1999 geschehen, ist umstritten. Der Wetterdienst habe alle Katastrophenschutzeinrichtungen in Norddeutschland am Montag um 13.30 Uhr und erneut am Dienstag um 7 Uhr vor "schwerer Sturmlage" gewarnt, sagte Wesp.

Schiffsverkehr eingestellt

Gleichzeitig räumte Wesp ein, in dem Bericht an die ARD diese Warnungen weniger deutlich formuliert zu haben. "Aber ich sehe die Information der breiten Masse nicht als unsere Hauptaufgabe." Mit der Warnung der Institutionen habe der DWD seinen Auftrag erfüllt. Im Bericht an die ARD hatte der Wetterdienst am Montag von "mäßigem bis frischem Wind" gesprochen, für Dienstag sagte er "auch starken Wind mit Sturmböen" voraus. "Ein Versagen kann ich nicht erkennen", sagte Wesp.

Dennoch wolle der DWD sein Modell zur Berechnung der Druckverteilung und damit auch der Windstärken "an einigen Stellen nachbessern". Fehlende Erfahrung mit dem damals neuen Modell führte vor dem Orkan "Lothar" (1999) dazu, dass der DWD den Sturm nicht rechtzeitig erkannt habe. "Eigentlich ist das Modell aber zuverlässig", sagte Wesp. Meinungsverschiedenheiten oder Sticheleien zwischen Meteomedia und dem Deutschen Wetterdienst sind nicht neu: Die beiden Wetterdienste lagen sich nicht nur wegen Orkanprognosen in den Haaren, sie fochten auch an der Wetterfront um die Namen von Hochs und Tiefs.

Nach den anhaltenden Regenfällen der vergangenen Tage haben die Behörden den Schiffsverkehr auf Main, Mosel und Saar wegen Hochwassers eingestellt. Auch der Rhein sollte ab Mittwoch Nachmittag auf einem ersten Abschnitt für die Schifffahrt gesperrt werden.

Ein Mitarbeiter der Hochwasserzentrums in Mainz sagte, da die Mosel dem Rhein noch weiter kräftig Wasser zuführe, werde voraussichtlich vom Nachmittag an die Schifffahrt zwischen Koblenz und Köln eingestellt werden müssen. Zahlreiche Uferstraßen waren überflutet. Wie lange die Schiffe festmachen müssten, sei noch nicht abzusehen. "Wir hoffen auf das Wetter, also auf ein Ende der Niederschläge." Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts Duisburg stiegen die Pegelstände wegen anhaltender Regenfälle weiter an. In Köln werde wahrscheinlich in der Nacht zum Donnerstag ein Wasserstand von rund 8,40 Meter erreicht und damit die Hochwasserstufe II ausgelöst. Dann wird die Schifffahrt eingestellt, weil Brücken nicht mehr zu unterfahren sind. An den Pegeln Duisburg Ruhrort, Wesel und Emmerich würden die Höchstmarken der Hochwasserstufe II dagegen noch nicht erreicht, teilte die Behörde weiter mit.

Auf Mosel und Saar liegen die Schiffe schon fest, teilte die Hochwassermeldestelle in Trier mit. Die Wasserstände fielen aber bereits leicht. Wann die Schiffe wieder Fahrt aufnehmen könnten sei noch unsicher.

Leicht steigende Wasserstände registrierte die für den Main zuständige Behörde in Aschaffenburg. "Von Bamberg bis Mainz ruht die Schifffahrt schon", sagte Klaus-Dieter Naun vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Vereinzelt seien schon Parkplätze und Äcker entlang des Mains überflutet, aber noch sei die Hochwasserlage nicht kritisch. Die Wetterprognosen seien relativ günstig, sagte der Experte weiter. Wahrscheinlich könnten die Schiffe am Freitag wieder ihre Fahrt fortsetzen. Noch keine Probleme für die Schiffe auf der Donau sieht Franz Payer vom Wasser- und Schiffahrtsamt Regensburg. Entscheidend sei die Entwicklung des Wasserstandes der Naab.

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