Welt : Einer für die Seele

Vom Landser zum „Traumschiff“-Kapitän – Heinz Weiss, der „gute Deutsche“, starb mit 89 Jahren in München

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Heinz Weiss war ein früher und ein später Fernsehstar. Er war der Soldat Clemens Forell in der Serie „So weit die Füße tragen“ und er war der Kapitän Hansen in der ZDF-Reihe „Das Traumschiff“. Dazwischen liegt ein ganzes Schauspielerleben. Heinz Weiss wurde am 12. Juni 1921 in Stuttgart geboren. Er ging als Wehrmachtssoldat mit in den Krieg, aus dem er schwer verwundet zurückkehrte. Schauspieler wollte er werden, Theaterschauspieler wurde er. An verschiedenen Bühnen war er engagiert, so trat er an der Seite von Rolf Boysen in Augsburg auf. Was 1959 kam, war nicht abzusehen: Heinz Weiss bekam die Hauptrolle in dem Fernsehmehrteiler „So weit die Füße tragen“. Die Fernsehadaption des gleichnamigen Romans von Josef Martin Bauer war ein „Straßenfeger“, Einschaltquoten über 90 Prozent, Gesprächsthema über Wochen. Im Zentrum steht der Clemens Forell, der aus einem russischen Kriegsgefangenenlager in seine Heimat flieht. Weiss spielte Forell als einen unbescholtenen Wehrmachtssoldaten, als ein Opfer des Krieges. Er spielte ihn markant, nicht outriert, fast dokumentarisch. Regisseur Fritz Umgelter wie auch Heinz Weiss wollten kein ideologisch aufgeheiztes Stück Fernsehen, ihnen ging es darum, das Schicksal eines Einzelnen in den großen Zeitläuften zu schildern. Spannend, unterhaltsam, auch Balsam für die geschundene deutsche Seele.

Vielen Westdeutschen bot der Clemens Forell eine ideale Projektionsfläche: Nicht alle waren Nazis, Judenmörder, es gab nicht einen, es gab viele Clemens Forells, den „guten Deutschen“ eben. Das war 1959, eine Fernsehproduktion zur Zeit, zum aufziehenden Kalten Krieg. Heinz hatte seinen Durchbruch, er wurde populär, und hart musste er kämpfen, dass seine Karriere nicht eine Landser-Karriere wurde (siehe den Kinofilm „Division Brandenburg“ von 1960).

Schwer überwand Weiss das Soldatenimage, aber er überwand es. Er war fleißig, er war gefragt, er war erfolgreich. In mehr als 140 Filmen wirkte er neben Größen wie George Nader, Julie Christie oder Gert Fröbe mit, darunter einige Jerry-Cotton- und Edgar-Wallace-Filme. Er war nie der große Star, aber er war immer mit den Stars, der Schauspieler mit dem markant geschnittenen Gesicht, dem in seinen besten Rollenmomenten immer ein Stück an interessierender Erschöpfung eingeschrieben war.

Das Fernsehen wollte an einem populären Schauspieler wie Heinz Weiss nicht vorbeikommen. Spionage- und Krimireihen wie „Die fünfte Kolonne“ oder „Das Kriminalmuseum“ wurden sein Arbeitsfeld, stets war Heinz Weiss gut beschäftigt. Auch das aufkommende Privatfernsehen borgte sich dessen Popularität, etwa, als er in der Sat-1-Serie „Cluedo – Das Mörderspiel“ den Kommissar verkörperte. Figuren, denen das Publikum vertrauen konnte.

Mit dem „Traumschiff“-Kapitän Heinz Hansen, den Heinz Weiss von 1983 an spielen sollte, schlug die Vertrautheit in blindes Vertrauen um. Hansen, das war der fürsorgliche Schiffsvater, der Kummerkasten, der Durchblicker und Durchsetzer, der seinen Passagieren nicht nur das kleine Stück vom Glück, sondern mehr, das ganze Lebensglück zukommen lassen wollte. „Das Traumschiff“ war die glänzende Idee von Produzent Wolfgang Rademann, der die deutschen Zuschauer auch mit der „Schwarzwaldklinik“ zu bezirzen wusste. Der ZDF-Luxusliner stach erstmals 1981 in See, in jenen Jahren, als der nach wie vor Kalte Krieg sichere Koordinaten für Schiffs- und Lebensführung versprach. Die Deutschen hatten die Kriegsgefangenenlager längst hinter sich gelassen, sie waren jetzt auf touristischer Weltentdeckungsreise.

Einer ihrer Kapitäne hieß Heinz Weiss. 1999, nach 16 Jahren auf der Brücke, musste sich der Schauspieler wegen einer Blutvergiftung, die er wegen seiner nie ganz ausgeheilten Kriegsverletzung erlitten hatte, das rechte Bein abnehmen lassen. Weiss musste als „Traumschiff“-Kapitan abmustern, seitdem saß er im Rollstuhl.

Am Samstag ist der Schauspieler Heinz Weiss mit 89 Jahren in seinem Haus in München-Grünwald gestorben.

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