Welt : Eingebürgert!: Antje

Bernd Matthies

Zu den ewigen Konstanten im Leben des Berliners zählt die Erkenntnis, dass Hamburg einfach besser ist als Berlin, reicher, sauberer, intelligenter, angenehmer in der Nase. Wer einmal die Elbchaussee mit der Havelchaussee vergleicht, hat alle Argumente beisammen. Nun wäre es naheliegend, gleich die komplette Elbchaussee einzubürgern und auf Besserung zu hoffen. Doch das könnte zu heftigen Verwerfungen im sozialen Umfeld führen.

Deswegen lassen wir die Hamburgerisierung Berlins etwas langsamer angehen und bedienen uns im Fundus der abgelegten Waterkant-Spezialitäten. Wo sind Lücken? Eine betrifft den Bären. Müde geworden vom ewigen Herumliegen, abgenutzt von erfolglosen Olympia-Kampagnen, darf er als marketingtechnischer Bettvorleger gelten, als Flachware für den Routine-Auftritt. Also muss Antje her. Antje, das Walross, ist in Hamburg aus undurchschaubaren Gründen auf die Abschussliste geraten. Der NDR möchte das anheimelnde Tier gar ganz aus seinem Logo verbannen, was ungefähr mit dem Versuch vergleichbar wäre, den Mercedes-Stern abzuschaffen.

Doch Berlin kann das nur nützen. Denn Antje ist krisenresistent und dickköpfig, verströmt eine Aura gusseiserner Gemütlichkeit und ist doch nie richtig trocken hinter den Ohren - lauter Charakteristika, die wie zugeschnitten auf die deutsche Hauptstadt und ihre Einwohner wirken. Überdies beherrscht sie die Kunst des wertneutralen Schnaufens, das in aller Welt so viel leichter erklär- und vermittelbar ist als das berlintypische Jammern und Wehklagen. Und wenn es zu dick kommt, taucht sie ab und wartet auf Besserung, ein ebenso sympathisches wie vorbildhaftes Verhalten.

Ein kleines Problem könnte darin bestehen, dass der SFB, der ja einer der wichtigsten Antje-Träger sein müsste, seine Mitwirkung verweigert. Doch welch anderes Symbol hätte der Hauptstadtsender zu verlieren? Die wackligen Beine eines stilisierten Brandenburger Tors incl. Kling-Klang-Klong-Erkennungsmelodie. Antje muss kommen! Bauen wir ihr ein hübsches Becken in der City: Das Zoo-Fenster beispielsweise, notorischste aller Baulücken, wäre ein ideales Plätzchen.

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