Welt : Eingebürgert!: Ellen MacArthur

Susanne Kippenberger

Die Vögel zwitschern, die Sonne lacht, der Frühling kommt, die Menschen gehen. Denn kaum ist das Eis gebrochen, leidet Berlin an Überfüllung. Je schöner ein Fleck, desto voller ist er. Im Grunewald treten die Spaziergänger sich auf den Füßen herum, auf dem Wannsee sieht man vor lauter Segeln den See nicht mehr.

Weg mit den ganzen Hobbymatrosen! Her mit Ellen MacArthur! Die würde die Konkurrenz ganz schnell vom Wasser fegen.

In 94 Tagen ist die flotte Engländerin um die Welt gesegelt, allein auf einer Yacht. Ihre einzige Begleitung: Kassetten mit "Pu der Bär". Blitzschnell ist sie durchs eisige Polarmeer hindurch, bei heftigstem Sturm den Mast hochgeklettert, hat nie länger geschlafen als eine halbe Stunde am Stück.

Die zierliche Dame wäre eine Zierde für Berlin, Vorbild für Politik und Wirtschaft. Wie lang haben deren Vertreter sich gerade im Bankenskandal mit ihren Entscheidungen gewunden - Rücktreten, Rauswerfen ... Dieses Zaudern, dieses Zögern, Ellen MacArthur wär das nicht passiert. Die wusste schon immer was sie wollte und wie sie kriegt, was sie will. Mit acht Jahren hat sie zu segeln begonnen, mit 24 ist sie die Beste im Land. Als sie mit den Vorbereitungen für das härteste Segelwettrennen der Welt anfing, hatte sie keine Kreditkarte, kein Handy - "no nothing", wie sie stolz erklärt. Jetzt ist sie beim Vendée Globe-Rennen als Zweite angekommen.

Genügsamkeit könnten die gierigen Politiker von der Heldin der Ozeane lernen. In der Schule hat sie ihr Geld lieber gespart, statt es fürs Mittagessen auszugeben, um sich eine Jolle zu kaufen. Bei ihrer Weltumsegelung hat sie von Trockenfutter gelebt, vorher drei Jahre lang in einem Container gewohnt. Solch zähe Frauen braucht die Stadt.

Wer sie sponsort, bekommt ohnehin Nachhilfeunterricht, in den sie finanzierenden Firmen hält sie Vorträge über gutes Management. Denn das Rennen auf dem Ozean und das Leben in der Wirtschaft haben viele Ähnlichkeiten, meint die junge Frau. Erfahrung, Willenskraft und Entschlossenheit, darauf komme es an. Und: nie in Panik zu verfallen. Eine MacArthur-Akademie am Wannsee, das wär doch was.

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