Welt : Eingebürgert!: Joël Durand

Susanne Kippenberger

Schokolade macht glücklich, das weiß inzwischen jedes Kind. Und wer so unglücklich ist wie im Moment Berlin, der braucht einen ziemlich Haufen Schokolade. Gute Schokolade. Aus der Provence.

Seit "Chocolat" - der in Berlin läuft und läuft und läuft - wissen wir, dass die verführerischsten Chocolatiers aus Frankreich kommen. Auch ohne das Odoroama, das John Waters für seine Zuschauer erfand - aber der Fiesling hat uns neben Schweiß- und Erdbeer- auch Stinktiergeruch zu duften gegeben - haben wir im Kino die zartesten Aromen in der Nase gehabt. Und die schöne Chocolatiere vor Augen. In Saint Rémy de Provence haben wir nun das männliche Pendant zur Binoche entdeckt. Sein Name: Joël Durand. Seine Leidenschaft: "die Alchemie der Schokolade".

Berlin hat ja eine lange Tradition der Schokoladenproduktion, von Hamann über Melanie bis Fassbender & Rausch. Aber keiner ist so minimalistisch wie Joël Durand. Der verkauft fast ausschließlich Pralinen, im Quadrat. Auf Schnörkel und Verzierung verzichtet der charmante Chocolatier ganz, nicht mal die kleinste Mandel kommt ihm auf seine Kunstwerke im Mini-Format. Nur Nummern. Jeder Kunde kriegt erst mal eine Praline zur Degustation, die Schwaben würden Versucherle sagen. "Ein kleiner Biss genügt," heißt es in der Werbung für "Chocolat". Ein Biss und Sie sind hin. 500 verschiedene Aromen soll der Kakao ohnehin haben, Durand fügt noch ein paar hinzu. Je exotischer der Klang, desto besser der Geschmack: Nummer 8: Earl Grey, Nr. 18: Rosmarin

Nr. 28: Rosenblätter, Nummer 14: Pfeffer aus Szechuan. Der Honig stammt vom korsischen Erdbeerbaum, der Kümmel aus Holland, Rosmarin hat er selbst gepflückt, in den Hügeln der Provence. In Berlin müsste er wohl auf Zitronenmelisse und Dill zurückgreifen. Aber auch daraus würde er subtile Glücksbringer kreieren. Nach Deutschland exportiert Durand schon. Aber ein Laden als Glücksbringer bei Sofortbedarf fehlt Berlin noch. Schon die Azteken haben Schokolade mit Chili und Pfeffer gewürzt und gaben sie ihren Menschenopfern zu trinken, um sie anschließend zu schlachten. Schließlich sollten sie lächelnd für die Götter sterben. Also los: Gehen wir glücklich unter!

0 Kommentare

Neuester Kommentar