Welt : Eingebürgert!: Peter Gauweiler

Bernd Matthies

Worauf kann man sich denn überhaupt noch verlassen? Landowsky destabilisiert halb Berlin mit seinem Gewackel, sein Bürgermeisterparteifreund Dieter Hapel besichtigt interessiert Schöneberger Schwulenbars - ist denn den Christen gar nix mehr heilig? Das Berliner Parteiengefüge befindet sich in Auflösung, hin zu einer allgemeinen Sozialdemokratisierung unter Leitung von Generalfinanzpragmatikern wie Peter Kurth. Wo bleibt denn da die Demokratie?

Es muss einer her, der uns Berlinern den rechten Flügel wieder stark macht, ein Konservativer, der aus der Hüfte schießt und verhindert, dass sie im Abgeordnetenhaus alle einschlafen, einer, der als eine Art lebende Schutzimpfung den politischen Immunschutz auffrischen hilft. Peter Gauweiler!

Allmählich sollte dem Mann klar werden, dass es in München unter dem Stoiber Edmund keinen Blumentopf mehr zu gewinnen gibt. Landtagsabgeordneter für Kleinkram und überflüssige Intrigen - das ist nichts für jemanden, der sich den Ehrentitel "politisches Urgestein" auf den Leib schwadroniert hat. Mit Sätzen wie "Deutschland und Bayern sind kein Einwanderungsland" bezog er tapfer Stellung gegen Ausländer und Grammatik, und mit der Forderung nach Aids-Tests für alle Bayern-Besucher stärkte er das Selbstbewusstsein des Freistaats in einem solchen Maße, dass die DVU zur Landtagswahl erst gar nicht antrat.

Dieses Konfliktbewusstsein ließe sich für Berlin nutzen. Passierschein und Gesinnungstest für alle Pendler zwischen Ost- und West-Berlin inkl. Rücknahme der Bezirksreform, Kürzung des Fernsehturms auf Funkturm-Niveau und totales Trabi-Verbot wären einige nützliche Forderungen, in denen viele West-Berliner ihre verlorene Identität wieder entdecken würden, deren Verlust Landowsky stets ebenso wortreich wie folgenlos beklagt hat. Und auch für die Jungen bliebe was hängen, denn Gauweilers markanteste Handlung der letzten Monate war die Teilnahme an der ersten Münchener Blade-Night. "Ich mache gern mit," hat er verkündet, "ich muss nur entsprechend gepolstert sein". Gut gepolstert wird in Berlin allemal, und einen schönen Wahlkreis finden wir auch. Hellersdorf? Wäre eine anspruchsvolle Aufgabe.

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