Welt : Einweihung am siebenten Jahrestag des Sektendramas

Auf dem Mount Carmel bei Waco im US-Bundesstaat Texas wird gehämmert und gesägt. Freiwillige legen letzte Hand an die neue Kirche der Davidianersekte. Das kleine, weißgestrichene Gebäude soll rechtzeitig zum siebten Jahrestag des tödlichen Feuers fertig werden.

Die Kirche steht genau an jenem Ort, an dem bei der Erstürmung durch die Polizei am 19. April 1993 Sektenführer David Koresh und mehr als 80 seiner Anhänger starben, unter ihnen zahlreiche Frauen und Kinder. Eine öffentliche Untersuchung nach der Katastrophe hatte zwar ergeben, dass das ausgebrochene Feuer von den Sektenmitgliedern selbst gelegt worden war. Die Kritik an den Behörden war dennoch nie verstummt.

Die "Branch Davidians" werden beim Bau ihrer neuen Kapelle von vielen Sympathisanten und wohlmeinenden Bürgern aus allen Gesellschaftsschichten mit Geldspenden, Material und Arbeitskraft unterstützt. "Wir sehen uns als Patrioten", sagt Rancherin Judith Vinson, eine Nachbarin der Davidianer. "Wir haben hier die Tradition, dass die Nachbarn helfen, wenn zum Beispiel eine Scheune niederbrennt. Der Bau dieser Kirche ist auch ein politisches Statement. Wir meinen, die Regierung hat diese Menschen damals hier ermordet." Insgesamt 86 000 Dollar kamen bislang an Spenden zusammen. Was die Spender vereint, ist ein tiefes Misstrauen gegenüber den Behörden. Die überlebenden Davidianer werfen den Behörden vor, für den Tod von Koresh und seinen 80 Anhängern verantwortlich zu sein und haben die Regierung verklagt. Der Prozess soll im Sommer beginnen. Bis dahin soll auch die Kirche stehen, sagt Clive Doyle, heute Pastor der Davidianer. Als einer der wenigen war er den Flammen mit schwersten Verbrennungen entkommen. "Am 19. April werden wir den siebten Jahrestag des Feuers wie immer mit einer Gedenkfeier begehen und dann unsere Kirche einweihen."

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