Welt : Einweihung des Großflughafens: Athener dürfen kein Radio hören

Gerd Höhler

Athen hat zwar einen Großflughafen mehr, aber dafür seit Mittwoch 17 private Radiosender weniger. Weil die Sender den Flugfunk störten, drehten Techniker ihnen kurzerhand den Strom ab. Das berichtete das griechische Fernsehen am Mittwoch. Piloten hatten zuvor protestiert, weil sie bei der Landung im Raum Athen statt der Stimme der Fluglotsen "griechische Volksmusik" auf ihren Kopfhörern hatten. Die Antennen der Sender standen auf dem Berg Hummetus, der sehr nahe am neuen Flughafen "Eleftherios Venizelos" liegt, der am Dienstag offiziell eingeweiht wurde. Die Sender protestierten gegen die Polizeiaktion der sozialistischen Regierung: Sie warfen Presseminister Dimitris Reppas vor, er habe nur die Schließung der Sender angeordnet, die oppositionell oder regierungskritisch gewesen seien. Nach Meinung des Ministers hatten die betroffenen Sender hingegen nicht die vom Gesetz geforderten Bedingungen erfüllt.

Nach Angaben von Radiotechnikern war die Herstellung einer "gewissen Ordnung in diesem Bereich längst fällig". In einigen Regionen Athens hatten chaotische Verhältnisse auf der UKW-Skala geherrscht.

Bei laufendem Flugbetrieb sind in Athen Luftfahrtgesellschaften und Technik vom alten Flughafen im Vorort Hellinikon zum neuen Groß-Airport "Eleftherios Venizelos" umgezogen. Wie das griechische Fernsehen berichtete, sollten den ganzen Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag Geräte, Büros, Treppen und technische Ausrüstung von mehr als 15 Fluggesellschaften zum rund 15 Kilometer weiter nördlich liegenden neuen Airport transportiert werden. Es handelt sich um den größten Umzug in der Geschichte des Landes. Mehr als 400 Lastwagen sollten 18 Stunden lang zwischen den beiden Flughäfen pendeln. Den Umzug plante die Firma, die Anfang der 90er Jahre den Wechsel vom Flughafen München-Riem nach Erding organisierte. Am Mittwochnachmittag landete die erste Passagiermaschine auf dem neuen Airport.

Nach rund viereinhalb Jahren Bauzeit war am Vortag der neue Großflughafen feierlich eröffnet werden. An der Zeremonie nahmen Staatspräsident Kostis Stephanopolos, Regierungschef Kostas Simitis, das gesamte Kabinett und rund 3000 geladene Gäste teil. Die Pläne für den Bau eines neuen Athener Flughafens gehen zurück bis in die siebziger Jahre. Jetzt endlich ist er fertig. Auf 14 000 Hektar, was annähernd der Fläche des Frankfurter Flughafens entspricht, bietet er jede Menge Platz. Die beiden rund 4000 Meter langen Bahnen ermöglichen parallele Landungen und Starts von bis zu 65 Flugzeugen pro Stunde. Ausgelegt ist der Flughafen für 16 Millionen Passagiere jährlich. Im Endausbau lässt sich die Kapazität auf bis zu 50 Millionen Reisende steigern.

Gebaut wurde der knapp über vier Milliarden Mark teure Airport von einem deutschen Firmenkonsortium unter Führung des Baukonzerns Hochtief. Für das Essener Unternehmen ist der Flughafen ein Vorzeigeprojekt. Hochtief ist an der überwiegend staatseigenen Flughafengesellschaft zu 45 Prozent beteiligt und wird den Airport auf zunächst 25 Jahre betreiben - ein Modell für ähnliche Beteiligungen, die der größte deutsche Baukonzern an Flughafenprojekten im In- und Ausland plant.

Der Athener Flughafen blieb nicht nur bei den Kosten im Rahmen der Vorgaben, er wurde auch mehrere Monate früher fertig als geplant. Bereits seit dem Oktober vergangenen Jahres haben der deutsche Airport-Chef Matthias Mitscherlich und seine Mannschaft alle Systeme eingehend durchgetestet. Pannen, wie es sie jüngst bei anderen Flughafen-Eröffnungen gab, hofft man deshalb in Athen vermeiden zu können. Besonders stolz sind die Athener Flughafenmanager auf die Sicherheitseinrichtungen. So wird Athen einer der wenigen Flughäfen sein, auf dem jedes aufgegebene Gepäckstück mit modernsten Computertomographen auf Waffen und Sprengstoffe hin durchleuchtet wird.

Alles andere als perfekt ist allerdings die Verkehrsanbindung des rund 20 Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums gelegenen neuen Flughafens. Die Fahrt in die Athener Innenstadt kann wegen chronischer Staus bis zu zwei Stunden dauern. Eine 13 Kiometer lange Schnellstraße und eine Eisenbahnstrecke sollen erst zu den Olympischen Sommerspielen in Athen im Jahr 2004 fertiggestellt sein.

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