Eisbärenbaby : Morgen wird "Flocke" getauft

Tausende Namensvorschläge für das Eisbärenbaby sind in Nürnberg eingegangen. Die Stadtväter müssen bei ihrer Wahl auf das Patentrecht achten - sonst könnte es sein, dass sich mit dem weißen Knäuel kein Geld verdienen lässt.

Jörg Völkerling[ddp]
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Dem Eisbärbaby selbst ist sein Name vermutlich egal. Sie vertreibt sich die Zeit mit fressen und schlafen. - Foto:dpa

NürnbergDie Besucher im Gästebuch des Tiergartens haben längst ihren Favoriten gekürt: "Flocke is adorable" - "Flocke ist hinreißend" schreibt Virginia aus Australien. "Hoch lebe Flocke", mailt Denise aus Belgien, und Brigitte aus der Schweiz fordert: "Tauft die kleine Eisbärin doch auf Flocke - sie wird eh so genannt."

Tierpfleger Horst Maußner war der Erste, der den Namen ins Gespräch brachte: "Ich nenne sie Flocke, weil sie so weiß und kuschelig ist", sagte er einen Tag nach der Trennung des kleinen Eisbären von seiner Mutter. Ob das putzige Bärchen aber morgen wirklich offiziell auf diesen oder doch einen anderen Namen getauft wird, ist noch offen.

Markenname "Flocke" eventuell schon vergeben

Seit einer Woche stapeln sich im Büro von Bürgermeister Horst Förther (SPD) die Vermarktungsangebote. Er hofft auf einen warmen Geldregen für die angespannte Stadtkasse. Doch vor den Preis haben die Götter den Schweiß gesetzt: In den vergangenen Tagen recherchierten die Verantwortlichen eifrig beim Deutschen Patent- und Markenamt in München.

Nichts wäre wohl peinlicher, als dem Eisbärenbaby einen Namen zu geben, der markenrechtlich schon geschützt ist - womit die Stadt bei der Vermarktung außen vor bliebe. Doch die Antwort auf die Anfrage dürfte im Rathaus für Ernüchterung gesorgt haben: Am Donnerstag waren gerade die Markenanmeldungen bis 17. Dezember vergangenen Jahres registriert worden.

Im Klartext: Die Jury aus Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), Bürgermeister Förther, Tiergarten-Chef Dag Encke, Tierpfleger Harald Hager und Vertretern des Stadtrats begibt sich auf dünnes Eis, wenn sie sich auf einen Namen festlegt. Markenprüfer Werner Hochmuth sagte: "Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit befinden sich schon einige Markenanmeldungen zu 'Flocke' in der Eingangsbearbeitung." Die Erfahrung von Eisbär Knut in Berlin habe gelehrt, dass Medien-Phänomene immer zu einer wahren Flut von Markenanmeldungen führten. Wenn die Stadt also jetzt erst auf die Idee gekommen wäre, den Namen "Flocke" als Marke einzutragen, könnte sie das Nachsehen haben.

Bärchen Nimmersatt

Der Name "Flocke" als solcher taucht im Markenregister bereits sechsmal auf. Aktuell Bestand hat allerdings nur die Marke "Flocke" im Zusammenhang mit "Absatz und Vertriebsförderung von Kunst- und Designobjekten", Telekommunikation und Design von Netzwerkseiten. Sie dürfte aber mit Eisbärenbaby Flocke nicht konkurrieren. "Bei der Vermarktung des kleinen Eisbären dürfte es vor allem um Spielwaren, Schreibwaren, Schmuck oder Schlüsselanhänger gehen", sagt Hochmuth.

Im Zusammenhang mit dem Berliner Eisbären Knut wurden übrigens seit März vergangenen Jahres 41 Marken angemeldet. Darunter sind so exotische Wortschöpfungen wie "Knut Knuddelbier", "Alles wird gut - Knut" oder "Knut Bärenmilch". Zumindest letztere würde wohl auch Flockes Gefallen finden: Sie giert regelrecht nach der Welpenaufzuchtmilch und hat dadurch mittlerweile auf 2900 Gramm zugelegt. Tierarzt Bernhard Neurohr schwärmt: "Alles ist bestens! Bei den letzten drei Fütterungen hat sie 150 Milliliter Milch verputzt."

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