Eisenach : Tragisches Ende eines Flugplatzfestes

Das Fest sollte ein Volksfest werden - doch es endete am Samstagnachmittag in einem tragischen Unglück. Bei einer Flugschau geriet ein altes Propellerflugzeug beim Start außer Kontrolle. Ein Mensch starb. Die Maschine traf auch ein Kinderkarrussell. Glück im Unglück: es war nicht in Betrieb.

Denni Klein[dpa]

Eisenach Statt abzuheben, raste das Flugzeug in eine Zuschauergruppe, die an einem Zuckerwatte-Stand am Rand der Startbahn wartete, und tötet die Verkäuferin. Die Propellerblätter häckselten die Holzbude kurz und klein. Die traurige Bilanz: Die 45 Jahre alte Zuckerwatte-Verkäuferin aus Thüringen stirbt am Unfallort. Ein 14 Jahre altes Mädchen und ein Mann ringen noch am Sonntag mit dem Tod. Die Lebensgefahr für den Piloten und einen weiteren Schwerverletzten ist nach Operationen am Samstagabend gebannt. Weitere elf Menschen werden leicht verletzt. Als Ursache werden ein Defekt der Maschine oder ein Fehler des Piloten angenommen.

Mehr als 5000 Menschen warteten kurz vor 16 Uhr auf den Beginn einer als spektakulär angekündigten Flugschau. Viele schauten bereits in den Himmel und erwarteten als nächste Showeinlage die Demonstration eines Löschflugs. Plötzlich holte ein lauter Knall die Aufmerksamkeit der Festbesucher jäh auf den Boden zurück. Das Agrarflugzeug raste in den Imbissstand. Für die Verkäuferin aus Bruchstedt kam jede Hilfe zu spät. An der benachbarten Schießbude arbeitete der Bruder des Opfers. Er sah seine Schwester sterben.

Aus den Trümmern der völlig zerstörten Holzbude konnten die Rettungskräfte die 45-jährige Thüringerin nur noch tot bergen. Der Pilot musste von der Feuerwehr in einer schwierigen Rettungsaktion aus den Trümmern herausgeschnitten werden. Rund 100 Helfer von Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk kamen zum Einsatz.

"Es ging alles so schnell. Beim Start qualmte es plötzlich unter dem Flugzeug, dann trudelte die Maschine, drehte noch einmal und raste dann in den Zuckerwatte-Stand", schilderte die Betreiberin der Flughafengaststätte "Zum Propeller", Cornelia Stötzer, was sich vor ihren Augen abspielt. Die Maschine habe noch kurz abgehoben, aber sei nicht mehr auf Höhe gekommen. Wie sie, berichten mehrere Augenzeugen, dass ein Reifen geplatzt sei.

Maschine traf auch ein Kinderkarussell - es war außer Betrieb

Das schlossen Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig am Sonntag aber aus. Drei Spezialisten begannen am Samstagabend mit den Untersuchungen des Flugzeugwracks, die noch bis zum späten Sonntagabend dauern sollten. Erst dann gibt es Klarheit über die Ursache des Unglücks.

Spekulationen über eine fehlende Starterlaubnis werden unterdessen zurückgewiesen. "Die Maschine sollte ganz normal im Programm fliegen und hatte bereits eine Starterlaubnis vom Tower erhalten", sagt der Leiter der Polizei Eisenach, Maik Haselow.

Trotz der traurigen Bilanz sprechen Augenzeugen und Behörden von Glück im Unglück. "Die Maschine traf auch ein Kinderkarussell neben dem Zuckerwatte-Stand. Doch das Fahrgeschäft war wegen eines technischen Defekts außer Betrieb, so dass sich keine Kinder auf dem Karussell befanden", sagt die Sprecherin der Polizei Gotha, Karin Köhler. Eine Familie habe sich unter den Rotoren wegducken können, ergänzt ein Augenzeuge. Außerdem steht die große Schar der Zuschauer zum Zeitpunkt des Unfalls etwas abseits des Unglücksorts.

Der Veranstalter bekommt viel Kritik zu hören. "Es war nur ein Krankenwagen bei uns. Die anderen mussten alle erst aus der Stadt anrücken. Das hatten wir schon am Morgen kritisiert", berichtet Gastwirtin Cornelia Stötzer. "Aber die Event-Firma hat unsere Einwände mit dem Kostenargument abgetan." Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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