Welt : Eisenbahnbundesamt verbietet Betrieb aller ICE-1

MAINZ (AFP).Das Eisenbahnbundesamt hat nach Informationen des ZDF den weiteren Betrieb aller 59 ICE-Züge der ersten Generation (ICE-1) mit gebrauchten Radreifen verboten."Das Eisenbahnbundesamt hat angeordnet, das Fahrzeuge des ICE-1 mit den alten Radsätzen nicht mehr zur Beförderung von Reisenden eingesetzt werden dürfen", zitiert das Wirtschaftsmagazin WISO aus einer aufsichtrechtlichen Anordnung des Amtes vom Sonnabend."Dies gilt, bis die Sicherheit der Radsätze nachgewiesen ist.Als nachgewiesen gilt die Sicherheit nur bei neuen, zertifizierten Rädern oder Einbau anderer, sogenannter Monoblockräder" (Vollräder), heiße es in einer sogenannten Anweisung der Sicherheit des Eisenbahnverkehrs.

Bahn-Sprecherin Christine Geißler-Schild betonte demgegenüber, daß die seit Sonnabend laufende Umrüstung der ICE-1 mit neuen Rädern zunächst auf Eigeninitiative der Deutschen Bahn erfolgt sei.Die Bahn habe der Aufsichtsbehörde den Radbruch eines konstruktionsgleichen Radreifens bei einer privaten Stadtbahn gemeldet und sich mit dem Eisenbahnbundesamt auf die vorsorgliche Umrüstung geeinigt.Der formelle Bescheid der Behörde vom Sonnabend sei Ergebnis dieser Gespräche.

Nach Angaben von WISO war nicht ein angeblich gebrochener Radreifen bei der S-Bahn in Hamburg der Anlaß für das verhängte Fahrverbot, sondern der Radbruch eines Radreifens bei einer Privatbahn im Bundesgebiet, deren Namen aber nicht bekanntgegeben wurde.Dort sei bereits eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Radhersteller anhängig.Bei der Zugkatastrophe von Eschede waren vor rund zwei Wochen 100 Menschen getötet worden.Ein gebrochener Radreifen gilt derzeit als wahrscheinlichste Ursache.

An Stadtbahnwagen der hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra sind bereits im Sommer 1997 innerhalb kurzer Zeit vier Radreifen gebrochen.Üstra-Sprecher Dirk Sarnes sagte am Montag in Hannover, bei den Vorfällen seien Menschen nicht zu Schaden gekommen.Die Üstra habe nach den Vorfällen die Untersuchungsintervalle verkürzt.

Sarnes sagte, wenn die Stärke eines Radreifens von 60 Millimeter im neuen Zustand auf 23 Millimeter heruntergefahren sei, werde er auf jeden Fall ausgetauscht.Werde eine Stärke von 28 Millimeter erreicht, werde das Rad mindestens alle sechs Wochen mit Ultraschall geprüft.Ferner würden Stichproben an den Stadtbahnwagen gemacht."Mit diesem System fahren wir jetzt sehr gut." Zum bislang einzigen Zwischenfall in diesem Jahr sei es im Februar gekommen.Stadtbahnen legen im Jahr etwa 75 000 Kilometer zurück.Nach dem Unglück von Eschede hatte die Üstra der Bahn ihre Erkenntnisse zur Verfügung gestellt.

Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Zugunglück von Eschede sind alle Toten identifiziert worden.Wie ein Polizeisprecher am Montag in Celle mitteilte, starben einer endgültigen Bilanz zufolge bei dem Unglück 100 Menschen.Diese Zahl war im Verlauf der Ermittlungen mehrfach korrigiert worden, da viele Reisende in den Trümmern des Zuges bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden waren.Von den 88 Schwerverletzten, die in umliegende Krankenhäuser transportiert worden waren, befanden sich demnach am Montag noch 73 in stationärer Behandlung.Für sie bestehe keine akute Lebensgefahr mehr, sagte der Sprecher.Der Toten soll am kommenden Sonntag in Anwesenheit von Bundespräsident Roman Herzog bei einem ökumenischen Gottesdienst in Celle gedacht werden.

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