Eizellenstreit : Ende eines Streits: Witwe holt Eizellen ab

Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes will eine Frau aus Vorpommern doch noch von ihm schwanger werden. Ein Gericht hatte die Klinik zur Herausgabe der Eizellen verpflichtet. Die 29-Jährige holte die befruchteten Zellen jetzt ab.

Der Streit war schlagzeilenträchtig, das Ende eher unspektakulär: Fünf Monate nach dem Urteil des Oberlandesgerichtes Rostock im so genannten "Eizellenstreit" hat die Klägerin am Freitag ihre eingefrorenen, befruchteten Eizellen am Klinikum Neubrandenburg abgeholt. Die 29-jährige Ines S. und ihr Ehemann hatten die Zellen mit Spermien Anfang 2008 einfrieren lassen. Bald danach war der Mann tödlich verunglückt. Die junge Frau hielt dennoch an ihrem Kinderwunsch fest. Als sich die Klinik weigerte, die Eizellen herauszugeben, zog die Witwe vor Gericht und bekam schließlich Recht.

Die Übergabe des Behälters, in dem die neun eingefrorenen Zellen lagern, dauerte nur rund 30 Minuten. "Ich wünsche Ihnen alles Gute", sagte Professor Roland Sudik, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Begleitet wurde
Ines S. von einem Kamerateam eines Privatsenders, dem sie Exklusivrechte für die Berichterstattung eingeräumt hat. Interviewwünsche anderer Journalisten wehrte sie ab.

Nach eigenen Angaben will sich die Witwe aus dem Uecker-Randow-Kreis in Mecklenburg-Vorpommern die befruchteten Eizellen in einer Klinik im benachbarten polnischen Stettin (Szczecin) einpflanzen lassen. "In diesem Zustand ist der Inhalt des Behälters vier bis sechs Stunden haltbar", sagte eine Kliniksprecherin.

Hintergrund des Rechtsstreits war das deutsche Embryonenschutzgesetz. Als Ines S. nach dem tödlichen Verkehrsunfall ihres Mannes die Eizellen haben wollte, um doch noch ein Kind von ihm zu bekommen, hatte die Klinik die Herausgabe unter Berufung auf das Gesetz verweigert. Dagegen klagte die Witwe rund zwei Jahre. Das Landgericht Neubrandenburg gab der Klinik 2009 in erster Instanz Recht. Dagegen ging die Frau in die nächste Instanz - und gewann. Das Oberlandesgericht Rostock hob das Urteil Anfang Mai 2010 wieder auf und gab Ines S. Recht.

Mit Blick auf das Embryonenschutzgesetz sei es zwar strafbar, eine Eizelle mit dem Samen eines Mannes nach dessen Tod künstlich zu befruchten, hatten auch die Rostocker Richter festgestellt. Im Fall dieser Frau seien die Spermien aber schon vor dem Tod ihres Partners untrennbar eingeschlossen worden - auch wenn sich noch kein Embryo entwickelt habe. Männliches und weibliches Erbgut seien zum Zeitpunkt des Einfrierens eine „innige Verbindung“ eingegangen. "Uns lag nie daran, der Frau Hindernisse in den Weg zu legen", hatte Chefarzt Sudik erklärt. Man habe lediglich Rechtssicherheit für das eigene Vorgehen gewollt. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben