Welt : Eklat bei Armani-Modenschau in Paris

Polizei hindert Besucher am Betreten des Veranstaltungsortes - wegen baupolizeilicher Mängel PARIS (AP/AFP)."Das ist eine Schande für Frankreich", schimpfte Hollywood-Star Christopher Lambert.Die wartende Menge im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Pres zollte ihm Beifall.Kurz vor Beginn der Modenschau des Italieners Giorgio Armani war die Veranstaltung am Mittwoch abend von der Pariser Präfektur verboten worden.Neben Lambert wütete der französische Modeschöpfer Paco Rabanne und sprach von einer "Ohrfeige für die vermeintliche Modehauptstadt Paris".Etwa tausend Gäste, die für die exklusive Veranstaltung Platzkarten hatten, mußten verärgert wieder kehrtmachen: Die Pariser Polizei verwehrte ihnen den Zugang zu dem extra für die Schau errichteten Zelt vor der Kirche Saint Sulpice unter Verweis auf angeblich ungenügende Sicherheitsvorkehrungen.Die Modeschauen für die Herbst- und Wintermode 1998/99 hatten am Montag begonnen.Längst finden sie nicht mehr nur in großen Hotels oder Museen statt.Der junge US-Designer Andre Walker läßt seine Models beispielsweise im Parteigebäude von Frankreichs Kommunisten (PCF) über den Laufsteg stöckeln, Sonia Rykiel mietete die Nationalbibliothek an, der Brasilianer Ocimar Versolato den Hubschrauber-Flughafen der Hauptstadt und Altmeister Guy Laroche die Eislaufbahn der Sporthalle von Paris-Bercy.Der spektakuläre Vorfall bei Armanis Präsentation gilt als neuer Höhenpunkt in dem seit einiger Zeit tobenden Modekampf zwischen Paris und Mailand.Zumindest indirekt stellte Giorgio Armani bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag im noblen Hotel Ritz das Verbot in diesen Zusammenhang: "Ich weiß, daß es einen Krieg gibt zwischen Italien und Frankreich, aber man muß doch menschlich bleiben." Der Designer hatte seine Zweitmarke Emporio erstmals während der Prêt-à-Porter-Tage in Paris statt wie üblich in Mailand zeigen wollen.Die durch den Ausfall entstandenen Kosten bezifferte er auf umgerechnet 1,8 Millionen Mark.Das Defilee mit der Armani-Kollektion 1998/99 soll jetzt in New York über die Bühne gehen.Nach Angaben der Präfektur war Armani vor einigen Tagen auf Mängel des Zeltes hingewiesen worden.Eine Sicherheitskommission habe am Mittwoch morgen von dem Defilee abgeraten.Kritisiert wurden etwa eine unzureichende Anzahl von Ausgängen sowie schlechte Zugänglichkeit für Rettungswagen.Das Haus Armani verwies dagegen auf die korrekte Ausführung der baulichen Maßnahmen, auch habe nach Nachbesserungen keine erneute Besichtigung stattgefunden.Neben Solidaritätsbekundungen gab es Schadenfreude."Armani go home" riefen Passanten.Hintergrund ist die heftige Diskussion um das neu eröffnete Emporio Armani-Geschäft in den Räumen des ehemaligen "Drugstore" von Saint Germain, einer fast schon kultisch verehrten Institution des früheren Intellektuellenviertels.Zu den heftigsten Gegnern gehört die Chansonsängerin Juliette Greco, die sich auch durch eine Armani-Spende in Höhe von mehreren hunderttausend Mark nicht beruhigen ließ.Dem kommerziellen Erfolg des Ladens stehen nun die Ausgaben für die geplatzte Schau gegenüber.Das Haus Armani erwägt sogar eine Klage gegen die Stadt Paris.Während der Mailänder Modemacher noch seine Wunden leckt, zeigen sich die Engländer in Paris als lachende Dritte.Stella McCartney blieb ihrem romantisch-weiblichen Modeideal treu und feierte einen Erfolg mit ihrer zweiten Schau für das Haus Chloe.Alexander McQueen erhielt am Mittwoch viel Beifall für eine sexy-elegante Givenchy- Kollektion.Auch die prominenten Gäste beider Defilees blieben unbehelligt.Bei McQueen saß der "Titanic"-Star Kate Winslet vorne, bei McCartney applaudierten als stolze Eltern Ex-Beatle Paul und seine Frau Linda.

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