Eklat in Frankreich : Wenn Männer zu viel gackern

Das Verhalten des konservativen Politikers Philippe Le Ray gegenüber der Grünen-Abgeordneten Véronique Massonneau hat in Frankreich eine Debatte über Sexismus ausgelöst. Sehen Sie hier auch das Video von dem Vorfall in der französischen Nationalversammlung.

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Schockiert. Véronique Massonneau in der Nationalversammlung.
Schockiert. Véronique Massonneau in der Nationalversammlung.Foto: AFP

„Gack, gack, gack“ oder besser gesagt „cot, cot, cot“ – so lautet das auf Französisch – gackerte und gurrte es plötzlich im französischen Parlament. Die Laute gab ein Politiker der konservativen Partei UMP von sich. Die Grünen-Abgeordnete Véronique Massonneau war am späten Abend gerade dabei, einen Änderungsantrag zur Rentenreform einzubringen. Da ging das Gegacker los. Der Abgeordnete Philippe Le Ray unterbrach sie, indem er ein Huhn nachahmte. In Frankreich wurde spekuliert, dass er vorher beim Abendessen ein wenig zu tief in das Rotweinglas geschaut hatte.

Die Abgeordnete Véronique Massonneau reagierte verärgert

Die Parlamentarierin sah sich ausgelacht und reagierte verärgert: „Also das reicht jetzt, wer macht das? Ich bin doch kein Huhn“, rief sie energisch und fasste sich an den Kopf. Aber der Kollege wollte einfach nicht aufhören und gackerte immer weiter.

Die Szene ist auf YouTube zu sehen

Die Szene ist auf Youtube zu sehen, das Gackern dabei aber nicht zu hören, weil viele Abgeordnete laut lachten.

Schockiert. Véronique Massonneau in der Nationalversammlung.
Schockiert. Véronique Massonneau in der Nationalversammlung.Foto: AFP

Massonneau bezeichnete kurz darauf den Vorfall als „sexistisch“ und twitterte erbittert: „Die Gleichheit von Frau und Mann ist noch nicht erreicht.“ Der sozialistische Parlamentspräsident Claude Bartolone war empört über den konservativen Le Ray: „Das ist unerträglich. Ich werde nicht zulassen, dass wir uns wie auf dem Schulhof benehmen.“ Er unterbrach darauf die Parlamentsdebatte. Regierungssprecherin Najat-Vallaud-Belkacem sagte, manche könnten nach Abendessen, bei denen viel Alkohol getrunken wurde, nicht mehr „die ihrem Mandat angemessene Form wahren“.

Der Vorfall löste eine Debatte über Sexismus in Frankreich aus, die Medien sprechen schon von „Poule-Gate“, Hühner-Gate. Er rückt die Frage wieder in den Mittelpunkt, ob die weiblichen Abgeordneten wirklich von ihren männlichen Kollegen akzeptiert werden. Von derzeit 577 Abgeordneten sind nur 155 Frauen.

Dem gackernden Abgeordneten werden die Bezüge gekürzt

Die Affäre machte sofort über Twitter die Runde. Le Ray entschuldigte sich telefonisch bei der Kollegin. Die weiblichen Abgeordneten sind empört. Am nächsten Morgen gingen sie deshalb nicht zu einem vorgesehenen Gespräch zwischen Opposition und Regierung. Sie gaben vor dem Parlamentssaal eine Pressekonferenz und verlangten, dass der Gackerer öffentlich abgestraft wird. Le Ray wurde wegen seines Verhaltens ermahnt und mit Einverständnis aller Fraktionen zu einem einmaligen Gehaltsabzug von 1378 Euro, das entspricht einem Viertel des Einkommens pro Monat, verdonnert. Das ist eine der Sanktionen, die die Parlamentsordnung vorsieht. Doch der Vorfall zog noch weitere Kreise. Als die weiblichen Abgeordneten mit Verspätung nach ihrer Pressekonferenz in den Saal kamen, warf der UMP-Fraktionsvorsitzende Christian Jacob ihnen vor, „sich aufzuspielen“.

Tausende beschimpften Le Ray auf dessen Facebook-Seite, so dass er diese vom Netz nahm. Nicht zum ersten Mal benehmen sich männliche Abgeordnete sexistisch. Wohnungsbauministerin Cécile Duflot musste anzügliche Pfiffe über sich ergehen lassen, weil sie ein Sommerkleid mit Blumenmuster trug. Ein Abgeordneter stichelte, vielleicht habe sie das Kleid angezogen, damit niemand ihr zuhöre. Tanja Kuchenbecker

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