Elfenbeinverkauf : Zahn um Zahn

Am Dienstag wird entschieden, dass Simbabwe Elfenbein an Japan und wohl auch an China verkaufen darf. Die Einnahmen sollen nur für den Schutz von Elefanten oder die Bevölkerung in den Elefantengebieten verwendet werden dürfen.

Dagmar Dehmer

Am kommenden Dienstag wird das seit 1989 bestehende Handelsverbot mit Elfenbein aller Voraussicht nach teilweise aufgehoben. Der Ständige Ausschuss des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) will vier südafrikanischen Ländern – Südafrika, Botswana, Namibia und Simbabwe – erlauben, ihre legalen Elfenbeinlager, die sich bis zum 31. Januar 2007 gefüllt haben, zu verkaufen. Nach diesem einmaligen Ausverkauf soll es ein neunjähriges Handelsmoratorium geben. Diesen Grundsatzbeschluss hat der Cites-Gipfel schon im vergangenen Jahr in Den Haag gefasst – unter tätiger Mithilfe Deutschlands, das damals den Ratsvorsitz der Europäischen Union innehatte.

Was noch nicht entschieden ist, ist der genaue Zeitpunkt der Auktion und wer das Elfenbein kaufen darf. Bisher ist lediglich Japan als legaler Handelspartner akzeptiert. Chinas Antrag wurde vom Cites-Gipfel noch abgelehnt. Doch inzwischen hat das Cites-Sekretariat nach einer Inspektionsreise Ende März 2008 empfohlen, China als legalen Handelspartner zu akzeptieren. Schon Mitte Januar hatte das deutsche Umweltministerium einen Reisebericht über einen Chinabesuch im Oktober 2007 eingereicht, der ebenfalls sehr wohlwollend war. So heißt es in dem Bericht, der dem Tagesspiegel vorliegt, der deutsche Delegationsleiter, Jochen Flasbarth, „bedauerte, dass es nicht möglich war, China und Japan gemeinsam als Handelspartner für die Elfenbein-Vorräte im südlichen Afrika zu akzeptieren“. Wie die Europäische Union zu der Frage steht, ist noch offen. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag vom 4. Juni heißt es aber: „Nach Diskussion wurde beschlossen, dass Deutschland seinen Bericht mit dem Hinweis übermitteln soll, dass der EU-Cites-Verwaltungsausschuss ihn als wertvollen Beitrag für die Bewertung ansieht.“ Über die Einbringung als gemeinsames EU-Dokument sei nicht abgestimmt worden.

Daniela Freyer von der Umweltorganisation Pro Wildlife sagt: „Das würde den ohnehin boomenden Elfenbeinschmuggel nach China noch weiter anheizen.“ Genau das befürchtet auch Kenia, das gemeinsam mit 19 ost- und zentralafrikanischen Staaten für ein 20-jähriges Handelsmoratorium gekämpft hat, sich damit aber nicht durchsetzen konnte. Der Chef des Kenya Wildlife Service (KWS), Julius Kipng’etich, argumentiert, dass, sobald eine „Nachfrage für ein Produkt erzeugt wird, jemand diese befriedigen muss“. Mit anderen Worten: Der KWS befürchtet eine Zunahme der Wilderei, wenn es einen legalen Markt für Elfenbein gibt. Denn in der Region gebe es hunderttausende illegaler Kleinwaffen. Zudem lasse sich legales von illegalem Elfenbein nicht mehr unterscheiden, wenn es erst einmal auf dem Markt sei, sagt Daniela Freyer. Das Umweltministerium argumentiert dagegen, dass sich mit dem Kompromiss im „Praxisexperiment“ erst zeigen werde, ob die Wilderei abnehme, wenn ein Markt legal mit Elfenbein versorgt werde, oder ob das Gegenteil richtig sei.

Wenn es zwei Handelspartner gebe, könnten die vier südafrikanischen Staaten bessere Preise erzielen, argumentiert das Umweltministerium. Botswana soll 43 682,91 Kilogramm, Namibia 9209,68 Kilogramm, Südafrika 51 121,8 Kilogramm und Simbabwe 3755,55 Kilogramm verkaufen dürfen. Die Einnahmen sollen nur für den Schutz von Elefanten oder die Bevölkerung in den Elefantengebieten verwendet werden dürfen.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Uschi Eid findet es „ein Ärgernis“, dass Simbabwe zu den Nutznießern des Kompromisses gehören soll. „Derzeit kann doch niemand garantieren, dass diese Einnahmen für den Elefantenschutz verwendet werden.“ Angesichts der Rolle Chinas als größter illegaler Absatzmarkt für Elfenbein und seine Menschenrechtspolitik hält Eid es zudem für falsch, China als legalen Handelspartner zu akzeptieren. „Die politischen Umstände und der Zeitpunkt sind völlig falsch“, sagt sie.

Der Artenschutzexperte der Umweltstiftung WWF, Volker Homes, hofft, dass doch noch eine Lösung gefunden wird, damit Simbabwe von dem Kompromiss nicht – oder zumindest nicht sofort – profitieren kann. Er könnte sich vorstellen, dass die Einnahmen eingefroren werden oder womöglich die ganze Auktion noch einmal verschoben wird. Zumal die Wilderei in Simbabwe zugenommen hat. Außerdem hat das Cites-Sekretariat selbst zumindest zweimal dokumentiert, dass Simbabwe illegal Elfenbein verkauft hat. „Jetzt ist der falsche Zeitpunkt“, sagt auch Homes. Der Sprecher des Umweltministeriums, Tobis Dünow, sagt dazu: „Es ist uns in höchstem Maße unwohl. Aber wir glauben, es lässt sich nicht mehr ändern.“ Der Grundsatzbeschluss, Simbabwe dazuzunehmen, sei schon 2002 gefallen. Jetzt könne man nicht alle für die Politik in Simbabwe bestrafen.

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