• Ende einer "minderen Affäre": Modeschöpfer Galliano muss wegen Nazi-Parolen zahlen

Ende einer "minderen Affäre" : Modeschöpfer Galliano muss wegen Nazi-Parolen zahlen

Der britische Modeschöpfer John Galliano ist wegen rassistischer Pöbeleien zu 6000 Euro Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Der enorme Imageschaden dürfte dagegen nicht zu beziffern sein.

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John Galliano
John GallianoFoto: Reuters

Paris - Zum Finale seiner Modeschauen pflegte John Galliano stets selbst auf den Laufsteg zu kommen, um sich mal als federgeschmückter Indianer, mal als Clochard, aber immer als kreatives Genie feiern zu lassen. Zum Abschluss seines Prozesses, bei dem am Donnerstag im Pariser Justizpalast das Urteil verkündet wurde, ließ sich der über antisemitische und rassistische Beleidigungen gestürzte ehemalige Stardesigner des Hauses Dior nicht blicken. Vergeblich warteten die Reporter vor der 17. Strafkammer auf sein Erscheinen. Gerichtspräsidentin Anne- Marie Sauteraud verkündete das Verdikt vor einer leeren Anklagebank.

Dabei kam Galliano glimpflich davon. Auf eine Buße von sechstausend Euro, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, beläuft sich die Strafe, die das Gericht gegen ihn verhängte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von „mindestens“ zehntausend Euro beantragt. Mehreren antirassistischen Vereinigungen, die im Prozess als Nebenkläger auftraten, erkannte das Gericht symbolische Entschädigungen von je einem Euro sowie die Erstattung ihrer Verfahrenskosten zu.

Im Februar dieses Jahres war Galliano im Café La Perla, seiner Stammkneipe im Pariser Marais-Viertel, mit einem Paar am Nebentisch in Streit geraten. In dessen Verlauf beschimpfte der angetrunkene Modeschöpfer die Frau als „dreckiges Judengesicht“ und ihren Begleiter als „verdammten asiatischen Bastard“. Eine ähnliche Entgleisung hatte Galliano sich im Oktober 2010 im selben Café geleistet, als er eine Frau als „hässliche jüdische Nutte“ beschimpfte. Bei der Verhandlung im Juni stand auch der Inhalt eines Videos zur Debatte, das eine britische Zeitung ins Internet gestellt hatte. Darauf ist Galliano zu sehen, wie er in demselben Café, offenkundig unter Alkoholeinfluss, lallt: „Ich liebe Hitler, Leute wie Sie sollten tot sein.“

Die Person in dem Video sei die „leere Muschel des John Galliano“, hatte sich der Angeklagte verteidigt. Er erkenne sich darin nicht wieder. Auch an die anderen Szenen konnte er sich nicht erinnern. Er verwies auf seine dreifache Abhängigkeit von Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, mit denen er den „enormen kreativen Druck“ zu überwinden gesucht habe, unter dem er bei Dior stand. Als Homosexueller, der immer wieder Intoleranz und Diskriminierungen ausgesetzt gewesen sei, verurteile er Rassismus und Antisemitismus: „Sie haben keinen Platz in unserer Gesellschaft.“ Von der Reue des Angeklagten beeindruckt, hatte die Staatsanwaltschaft von einer „minderen Affäre“ gesprochen. Sie sah in Gallianos Ausfällen keine Ideologie, bestand jedoch auf einer Bestrafung dieses „Stammtisch-Antisemitismus“.

Der in Gibraltar geborene 50-jährige Galliano, der sich inzwischen Entziehungskuren in den USA und der Schweiz unterzogen hat, war von Dior sofort entlassen worden. Für die Hochzeit des britischen Models Kate Moss mit dem Gitarristen Jamie Hince im Juli entwarf er das Brautkleid. Aber ein Comeback ist nicht in Sicht, obwohl seine Nachfolge bei Dior weiter offen ist. Hans-Hagen Bremer

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