Ende eines Exzentrikers : McAfee geht ins Netz

Die skurrile Flucht des John McAfee endet in Guatemala. Der Software-Pionier ist des Mordes verdächtig. Der 66-Jährige war mit seiner 20-jährigen Freundin geflüchtet.

Tobias Käufer
Die letzten Stunden in Freiheit. Der 66-jährige John McAfee mit seiner 20-jährigen belizischen Freundin Sam Venegas am Mittwochabend in Guatemala City. Am Donnerstagmorgen wurde er festgenommen.
Die letzten Stunden in Freiheit. Der 66-jährige John McAfee mit seiner 20-jährigen belizischen Freundin Sam Venegas am...Foto: REUTERS

Am Ende schnappte das Sicherheitsnetz der guatemaltekischen Polizei zu. „Herr McAfee wurde festgenommen, weil er gegen das Einwanderungsgesetz verstoßen hat“, sagte der Sprecher des guatemaltekischen Präsidenten, Francisco Cuevas, dem spanischsprachigen Ableger von CNN. Es ist das vorerst letzte Kapitel einer aufsehenerregenden Flucht eines der einflussreichsten und bekanntesten Softwarepioniere, einer Flucht, die ihn von seiner Trauminsel vor Belize nach Guatemala führte.

Bilder zeigen den verhafteten US-Amerikaner, wie er mit verschränkten Armen im Wartezimmer der Einreisebehörde wartet. Der schlanke 66-Jährige trägt weiße Shorts und ein lila Polohemd, dazu eine silberne Uhr. Noch vor zwei Tagen ließ er sich mit seiner 20 Jahre alten Freundin in Restaurants ablichten. Am Vortag hatte sich John McAfee noch selbstbewusst den Medien des kleinen Landes präsentiert. Im schwarzen Anzug und an der Seite seines eloquenten Anwaltes Telésforo Guerra verkündete das Duo in einer improvisierten Pressekonferenz unter freiem Himmel, dass der Millionär einen Asylantrag in Guatemala stellen wolle. Die Regierung Belizes verfolge ihn, weil er seine Zahlungen an die korrupten Politiker eingestellt habe, ließ er die wartenden Reporter wissen.

US-Software-Pionier John McAfee ist bereits seit Wochen auf der Flucht. Der 67 Jahre alte Nordamerikaner mit dem getönten braunen Haar gilt als Exzentriker. Zuletzt lebte er im mittelamerikanischen Belize. Dort lernte er auch seine junge Lebensgefährtin kennen. Mit ihr verließ er Hals über Kopf das Land. Sein Nachbar, der US-Bürger Gregory Faull, war Anfang November erschossen auf seinem Grundstück auf der Insel Ambergris Caye entdeckt worden. Zuvor – so melden es die Zeitungen in Belize unter Berufung auf Polizeikreise – habe es einen lauten Streit unter den Nachbarn geben. Als die Polizei dann McAfee zu der Leiche in der Nachbarschaft befragen wollte, habe sich dieser zunächst versteckt und sei dann geflüchtet. Nach Informationen der „Belize Times“ gilt McAfee als Hauptverdächtiger. Ein Auslieferungsantrag liegt vor. Offiziell heißt es, der US-Bürger solle zu dem Fall befragt werden. „Uns liegt ein entsprechendes Schreiben der Botschaft Belizes vor“, bestätigte Innenminister Lopez Bonilla. Nach guatemaltekischen Recht kann McAfee nach Belize ausgeliefert werden, weil es das Land ist, in dem er sich zuletzt aufhielt. Eine Abschiebung in die USA ist aber nicht ausgeschlossen.

Am Montag war McAfee nach seiner Flucht in Belize illegal nach Guatemala eingereist. In Begleitung seiner Freundin legte sein Boot an der Küste an, doch McAfee stellte sich nicht den zuständigen Einreisebehörden vor. Somit befindet sich der Amerikaner ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in Guatemala. Das gibt den Behörden Guatemalas das Recht ihn schnell wieder abzuschieben, sollten sie seinem Asylantrag nicht stattgeben.

John David McAfee wurde 1946 in England geboren. Den Großteil seines Lebens verbrachte er in den USA, er ist dort eingebürgert. Sein Name ist weltweit bekannt, weil er 1987 die nach ihm benannte Firma McAfee Associates gründete, aus der sich später das Computersicherheitsunternehmen McAfee entwickelte. Millionen von Computer-Nutzern vertrauen weltweit auf das Anti-Viren-Programm. Auf die Idee kam McAfee, als sein eigener Computer mit dem ersten bekannten PC-Virus Brain infiziert wurde. 1994 zog er sich aus seinem Unternehmen zurück. Sein Vermögen wurde damals auf rund 100 Millionen Dollar geschätzt, doch die US-Immobilienkrise fraß ein Großteil seiner Werte auf. Nur noch vier Millionen Dollar sollen ihm geblieben sein. Er gilt als Paradiesvogel unter den Computer-Spezialisten, betätigte sich als Yoga-Lehrer, schrieb Bücher und versuchte sich zuletzt auch als Unternehmer in Biotechnologie. An den alten Erfolg konnte er aber nie wieder anknüpfen.

Vor vier Jahren wanderte er nach Belize aus. Bereits im April dieses Jahres machte McAfee Bekanntschaft mit der Polizei des Landes. Eine Spezialeinheit suchte nach Waffen und Drogen, fand aber nichts. Nun ist er erneut ins Visier der Polizei geraten und diesmal scheint es nicht gut auszusehen für den smarten Unternehmer.

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