Welt : Endeavour nimmt unseren Planeten unter die Lupe

Die Vermessungsmission der US-Raumfähre "Endeavour" steht vor ihrem erfolgreichen Abschluss. Die sechsköpfige Besatzung wird neun Stunden länger als geplant dreidimensionale Radarbilder unseres Planeten von bisher unerreichter Qualität aufnehmen, nachdem die Probleme mit dem anfänglich zu hohen Treibstoffverbrauch bewältigt wurden. Vorübergehend wurde sogar eine Verkürzung der Mission befürchtet. Am Montag müssen die Astronauten beim Einfahren des 60 Meter langen Antennenmasts noch einmal eine kritische Phase meistern, bevor sie am Dienstag zur Erde zurückkehren.

Mit Hilfe der Daten soll ein dreidimensionaler Erdatlas entstehen. Nach Angaben des NASA-Wissenschaftlers Michael Kobrick sind die Aufnahmen klarer als erwartet und derart detailliert, dass er darauf sein Haus erkennen kann. Zum Ende des Flugs werden 115 Millionen Quadratkilometer der Erde mindestens zweimal vermessen sein. Die Karte soll von Alaska im Norden bis zur südlichen Spitze Südamerikas reichen.

Wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte, wird die Vermessung am Montag beendet. Aus Zeitgründen könnten die Astronauten, unter ihnen der Deutsche Gerhard Thiele, aber nicht mehr auf den Mast klettern, falls es beim Einholen Probleme gebe. Falls sich der 35 Millionen Dollar (rund 70 Millionen Mark) teure Mast nicht wie erwartet in seinen Behälter zusammenfalte, müsse er abgestoßen werden. Dabei bestehe eine geringe Gefahr für die Fähre, hieß es.

Die "Endeavour" verbrauchte wegen einer verstopften Leitung am Mast zunächst mehr Treibstoff als erwartet. Die Techniker am Boden und die Besatzung fanden aber zahlreiche Einsparmöglichkeiten. Unter anderem wurde die Fähre langsamer bewegt, auch die Entsorgung der Abwasser wurde auf eine energiesparende Weise umgestellt.

Im Dauerstress ist dabei Gerhard Thiele. Auf seinem Jungfernflug an Bord der Endeavour arbeite der deutsche Astronaut täglich zwölf bis 15 Stunden, sagte er in einer Live-Schaltung ins Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum nach Oberpfaffenhofen in Bayern. "Ich habe in den vergangenen Tagen noch nicht so richtig abgeschaltet", sagte Thiele. Wenn er nicht arbeitet, höre er immer mit einem Ohr zu, was gerade im Spaceshuttle passiert."

Er versuche, viel aus dem Fenster zu schauen und zu fotografieren. "Dies ist aber oft nicht möglich, weil ich dann die anderen Kollegen störe, die gerade arbeiten." Der 46 Jahre alte Physiker sagte, er hätte sich keine bessere Crew vorstellen können. Auch seine beiden Kolleginnen seien wunderbar. "Hier wird viel Rücksicht genommen."

Thiele könne sich in der Schwerelosigkeit einfach mal so an die Decke hängen. "Dann wissen die Kollegen, ich will mich zurückziehen." Einfache Tätigkeiten wie Rasieren sind im All etwas umständlicher zu erledigen: "Ich bin Nassrasierer, und das funktioniert hier genauso wie auf der Erde." Es gebe allerdings kein fließendes Wasser, sondern nur feuchte Tücher.

Der deutsche Astronaut, der bei der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA unter Vertrag steht, wünscht jedem Menschen, aus dem All auf die Erde schauen zu können. "Von hier oben gesehen gibt es auf der Erde keine Grenzen."

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