England : David Camerons Sohn tot

Wegen des Todes des Sohnes des britischen Oppositionschefs kamen die politischen Geschäfte in Großbritannien vorübergehend zum Erliegen. Der sechsjährige Ivan Cameron litt an einer angeborenen schweren Behinderung.

Matthias Thibaut

LondonDer britische Oppositionschef David Cameron und seine Frau Samantha wussten wohl, dass das Leben ihres ersten Sohnes Ivan frühzeitig enden könnte. Aber das machte den Tod des Sechsjährigen gestern morgen um 6 Uhr 30 im St.-Mary’s- Hospital in London „kein bisschen weniger herzzerreißend“. So sagte es Camerons Stellvertreter William Hague im Unterhaus. Ivan war in der Nacht als Notfallpatient ins Krankenhaus gebracht worden. Beide Eltern waren bei ihm, als er starb. Wegen des Kindertods kamen die politischen Geschäfte in Großbritannien vorübergehend zum Erliegen. In einem ungewöhnlichen Schritt sagte Premier Gordon Brown die Fragestunde im Unterhaus ab.

Statt der üblichen, oft verächtlichen Verbalschlachten zwischen Brown und Cameron gab es nach den traditionellen Ehrenerklärungen für die in den letzten Tagen in Afghanistan gefallenen Soldaten nun Beileidsbezeugungen für den kleinen Ivan. „Keine Eltern sollten je den Tod ihres Kindes erleben müssen“, sagte Brown. Er sprach mit Mitgefühl. Brown und seine Frau Sarah haben selbst den Tod eines Kindes, ihrer ersten Tochter Jennifer, hinnehmen müssen und ihr Sohn Fraser ist durch zystische Fibrose behindert. „Ich weiß, dass Ivan seinen Nächsten in einem viel zu kurzen Leben Freude gebracht hat und dass er jeden Tag seines Lebens von der Liebe seiner Familie umgeben war“, sagte Brown.

Anders als der Premier hat Cameron seine Kinder immer wieder in die Öffentlichkeit gebracht, auch über Ivan gesprochen und ihn bewusst als Teil der Familie herausgestellt. „Er ist ein wunderbarer Boy“, sagte er in einer BBC-Sendung, „er hat die schönsten Augen und kommuniziert mit uns in der Art, wie er uns ansieht und den Kopf bewegt. Aber er leidet oft große Schmerzen. Was uns am meisten Sorge macht, ist, was für eine Lebensqualität wir ihm geben können. Aber wir sind positiv und optimistisch und tun, was wir können, damit er Teil einer glücklichen Familie ist.“ Ivan wurde mit Zerebralparese und einer schweren Form der Epilepsie geboren. Er brauchte rund um die Uhr Pflege und Betreuung, konnte wegen seiner schweren neurologischen Störungen nie laufen oder sprechen und musste täglich 21 Tabletten einnehmen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben