Welt : Englische Königsfamilie: Royals in der Grauzone

Hendrik Bebber

Die "Firma", wie sich die königliche Familie selbstironisch nennt, will nach dem "Geschäftsunfall" von Sophie Rhys-Jones öffentliches Amt und private Einkünfte besser trennen. Die Gräfin Wessex hatte einem als Scheich getarnten Klatsch-Reporter gegenüber geschäftsfördernd ihre guten Verbindungen zum Königshaus hervor gehoben. Mögen betriebsinterne Reformen auch noch eine geraume Zeit dauern, so will die "Firma" sich bemühen, gute und ehrliche Ware für gutes Geld zu bieten. Für ihre Monarchie müssen die Briten insgesamt jährlich rund 60 Millionen Mark bezahlen. Etwa die Hälfte entfällt auf die Apanage, die das Parlament aus Steuermitteln bewilligt. Das ist erheblich weniger, als vor der Reform der "Zivilen Liste" im Jahre 1996. Bis dahin erhielten elf Royals die Apanage. Jetzt sind es nur die Königin, ihre Mutter, Prinz Philip und Prinz Andrew. Die anderen werden von der Queen aus ihrer Privatschatulle bezahlt.

Prinz Charles hätte zwar auch Anspruch auf ein Staatssalär, aber er verzichtet schon lange darauf, weil er als Herzog von Cornwall genug Einkommen von seinen riesigen Landgütern hat. Er bezieht daraus fast ebensoviel wie seine Mutter mit 18 Millionen Mark aus dem Herzogtum Lancaster. So kann man durchaus verstehen, dass Sophie und Edward die "kärglichen" 400 000 Mark aufbessern wollten, die sie von der Queen im Jahr bekommen. Während seine Frau mit ihrer "königlichen" PR-Agentur locker im Jahr eine Million machte, ist Edwards Fernsehproduktionsgesellschaft eine finanzielle Pleite. Deshalb benutzte er auch Staatsbesuche bei orientalischen Potentaten dazu, in eigener Sache Aufträge zu scheffeln, werfen ihm die Medien vor.

Daher riechen die britischen Zeitungen Lunte, weil Prinz Andrew demnächst seine Karriere als Marineoffizier beendet. Er hat vor, als "Sonderbotschafter für die britische Exportindustrie" zu arbeiten. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn auch die Queen arbeitet ehrenamtlich als Handelsförderin. Als die königliche Jacht "Britannia" abgewrackt wurde, beklagten britische Unternehmer das Ende der "schwimmenden Industrie und Handelskammer". Bei Andrews Lebenslust ist jedoch zu befürchten, dass er Geschäft und Vergnügen miteinander verwechselt. Immerhin kosten solche Werbe-Touren etwa 300 000 Mark.

Finanziell ausgetrocknete Mitglieder des Königshauses sind jedoch auch eine große Gefahr für das Ansehen der Monarchie. Fergie rettete sich mit dubiosen Werbeverträgen für Abmagerungskuren und peinlichen Fernsehauftritten aus der Pleite. Sie ist besonders in den USA groß im Geschäft, weil sie dort immer noch als "Königliche Hoheit" gehandelt wird.

Bei anderen erfolgreichen Geschäftsleuten spielt das königliche Geblüt dank ihres Talentes keine Rolle. Dazu gehören Prinzessin Margarets ehemaliger Ehegatte Lord Snowdon als renommierter Topfotograf und ihr Sohn David Linley als Designer exklusiver Möbel. Auf der anderen Seite könnten unzählige wohltätige Institutionen ohne den Einsatz der Royals kaum auskommen.

Freilich könnte die Queen (geschätztes Bankguthaben über drei Milliarden Mark) den Einsatz der "Firma" locker bezahlen. Hinzu kommt ein Grundbesitz von vier Milliarden Pfund. Am wertvollsten davon sind die Immobilien, die die Königin in den besten Lagen Londons besitzt. Daraus gingen letztes Jahr allein 93 Millionen Mark an Mieten ein. Während diese Einkünfte um zehn Prozent gestiegen sind, wirkte sich die Flaute in der Landwirtschaft auch auf das königliche Säckel aus: Gerade ein Zehntel der Gesamteinkünfte von jährlich 300 Millionen Mark tragen die Pächter bei. Rund 150 000 Hektar besitzt die Königin an Ackerland und Weiden in Großbritannien. Der Queen gehört noch dazu das gesamte Seebett vor der britischen Küste, dessen Wert nicht einmal geschätzt werden kann.

Genau genommen sind die noblen Häuserblocks in der Oxford Street und das fruchtbare Farmland Lancasters nicht der persönliche Besitz Elizabeth II. Sie ist lediglich Nutznießer durch das "Recht der Krone". Das Gleiche gilt auch für die Paläste, den Kronschatz und die Kunstsammlungen, die an den Thronfolger vererbt werden müssen. Dieser Besitz allein macht Elizabeth wohl zu der reichsten Frau der Welt: die Brillanten, wie die "Sterne von Afrika" und der "Kohinor" in den Kronen sind ebenso unbezahlbar wie die Rembrandts und Renoirs in den Schlossgalerien. Doch weil sie die nur schlecht versteigern lassen kann, knappst sie selbst bei den Gehältern ihrer miserabel bezahlten Lakaien und muss seit ein paar Jahren die Haushaltskasse mit Eintrittsgeldern für den Buckingham-Palast aufbessern.

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