• Enkeltrick, Kaffeefahrt & Co: Mit welchen Maschen Betrüger Senioren ausnehmen

Enkeltrick, Kaffeefahrt & Co : Mit welchen Maschen Betrüger Senioren ausnehmen

Ältere Menschen gelten bei Kriminellen als leichte Beute. Wie man sich gegen Betrüger schützen kann.

Derzeit ist der Polizistentrick in Deutschland sehr beliebt. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen warnte mit diesem Plakat vor Betrügern.
Derzeit ist der Polizistentrick in Deutschland sehr beliebt. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen warnte mit diesem Plakat vor...Foto: Martin Gerten/dpa

Enkeltrick, Kaffeefahrt, falsche Handwerker, Gewinnspiele oder Schuldeneintreiber. Wenn es um Betrugsmaschen geht, sind Kriminelle kreativ. Eines eint jedoch alle Tricks: Sie zielen auf Senioren ab. Die gelten als gebrechlich, wenig wehrhaft und wohnen oft allein – scheinbar leichte Beute für Betrüger. Bundesweite Zahlen liegen zwar nicht vor, aber allein in Berlin stieg die Zahl der Trickdiebstähle – davon ist der berüchtigte Enkeltrick ausgenommen – von 900 Fällen vor zehn Jahren auf 2600 Fälle in 2016. Laut Angaben des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) werden vor allem Menschen über 60 Opfer solcher Betrügereien. Doch es gibt Möglichkeiten sich passiv und aktiv zu schützen.

Der Enkeltrick

Der Klassiker unter den Betrugsmaschen. Den Enkel- beziehungsweise Neffentrick gibt es bereits seit rund 15 Jahren. Kennt jeder, sollte man meinen. Doch allein in Berlin kam es 2016 laut Polizeilicher Kriminalstatistik zu 750 Fällen, in denen der Enkeltrick angezeigt wurde. In 81 dokumentierten Fällen erbeuteten die Täter Geld, im Schnitt 2 212 Euro. Die Herangehensweise ist dabei immer dieselbe. Täter suchen im Telefonbuch nach veralteten Vornamen und rufen diese an. Oft beginnt das Gespräch dann mit der Formulierung „rate mal, wer dran ist?“. Je nach Antwort geben sich die Anrufer wahlweise als Enkel, Neffe oder Bekannte aus und bitten um Geld. „Oft wird eine Notlage vorgetäuscht“, sagt Monika Weiß, Ansprechpartnerin für Seniorensicherheit vom Berliner LKA. „Teils werden Senioren stundenlang am Telefon beschäftigt, dadurch entsteht ein großer Druck“, sagt Weiß. Irgendwann, so der Plan der Betrüger, stimmen die überrumpelten Opfer dann einer Überweisung oder Geldübergabe an einem vermeintlichen Freund des Enkels zu. Ein fataler Fehler, denn wenn das Geld erst einmal weg ist, zahlt es auch keine Versicherung zurück.

In Berlin sind die Enkeltrick-Fallzahlen in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Monika Weiß geht jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Opfern könnte es gerade vor der eigenen Verwandtschaft peinlich sein, den Tätern auf den Leim gegangen zu sein. „Dahinter steckt oft die Sorge, unter Aufsicht gestellt zu werden“, sagt Weiß. Der seelische Druck werde dadurch erhöht. „Die Schuld liegt aber immer beim Täter“, sagt Weiß und rät selbst missglückte Versuche anzuzeigen. Helfen kann es auch, den Namen aus dem Telefonbuch streichen zu lassen. „In alten Telefonbüchern findet sich die Nummer aber trotzdem noch“, gibt Weiß zu bedenken. Sie empfiehlt deshalb nicht nur eine Streichung, sondern auch, eine neue Nummer anzufordern.

Der Polizistentrick

Diese Masche sei momentan Deutschlandweit „sehr beliebt“, sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit Sitz in Stuttgart. Die Täter gehen dabei ähnlich wie beim Enkeltrick vor, nur agieren sie noch raffinierter. Sie kaufen sich eine Fake-Nummer und rufen ihre potenziellen Opfer an. Auf deren Bildschirm erscheint dann die Notrufnummer 110. Unter Vorwänden, wie beispielsweise die Polizei habe Hinweise auf einen geplanten Einbruch, gelingt es den Betrügern, ihren Opfern zu vermitteln, dass ihr Geld und sonstige Wertsachen zu Hause nicht sicher seien. „Dann kommt ein Polizist in Zivil vorbei, um Geld und Wertsachen ,in Sicherheit’ zu bringen“, sagt Schmidt. Wie beim Enkeltrick suchen die Täter im Telefonbuch nach veralteten Vornamen und setzen ihre Opfer auch durch mehrfache Anrufe unter Druck. Schmidt warnt deshalb: „Die Polizei ruft niemals unter der 110 an – das tun nur Betrüger.“

Der Zetteltrick

Eine weitere erfolgreiche Betrugsmethode ist der sogenannte Zetteltrick. Dabei werden potenzielle Opfer bereits auf der Straße oder am Geldautomat ausgespäht und heimlich nach Hause verfolgt. „Wenig später klingeln die Täter dann und bitten um Stift und Papier“, sagt Monika Weiß. Doch darum geht es den Tätern, oft stammen sie laut Weiß aus Süd- und Osteuropa, nicht. Sie versuchen Zutritt zur Wohnung zu erlangen. „Oft sind die Täter nicht allein“, sagt Weiß. Einer lenke das Opfer ab, ein anderer suche unbeobachtet nach Wertgegenständen. Die Masche gibt es in verschiedenen Variationen. Manchmal, so Weiß, würden auch Schwangere klingeln und um ein Glas Wasser bitten. „Trotzdem sollte man wachsam bleiben und niemanden in die Wohnung lassen“, sagt die Expertin.

Falsche Handwerker

Ähnlich wie beim Zetteltrick gehen auch falsche Handwerker vor. Auch ihnen geht es einzig darum, Zugang zur Wohnung zu erlangen und die Opfer abzulenken. „Oft kommen Handwerker und behaupten, es gebe einen Wasserschaden“, sagt Weiß. Durch die scheinbare Notsituation sollen die Opfer unter Druck gesetzt werden. Eine andere Art Fake-Handwerker treibt sich vor allem im Frühling in Berlins Vororten rum, um dort ihre preiswerten Dienste anzubieten. In einem Fall, über den der Tagesspiegel berichtete, klingelten drei Männer bei einem Ehepaar in Zehlendorf und boten Reparaturarbeiten am Dach an. „Die wirkten sehr sympathisch und wollten nur 450 Euro für das ganze Dach“, sagte die Hausbesitzerin. Die Männer wurden jedoch nicht fertig und kamen am nächsten Tag wieder - und forderten plötzlich 8 200 Euro. Nur durch die Warnung der Tochter entkamen die Senioren der Abzocke. Die Männer wurden festgenommen, sie gehörten zu einer professionellen Bande aus Rumänien. Im Internet kursieren auch immer wieder Erzählungen von Feuerwehrmännern, die angeben, Rauchmelder überprüfen zu müssen. Einem Sprecher der Feuerwehr sind solche Fälle in Berlin zwar nicht bekannt, generell gelte aber: „Die Feuerwehr kontrolliert niemals Rauchmelder.“

Das falsche Gewinnspiel

„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen.“ Diese scheinbar gute Nachricht sollte immer skeptisch machen, raten Experten. Mails mit dubiosen Betreff von unbekannten Absendern sollten direkt gelöscht werden. Briefe, die Gewinne versprechen, aber eine Anzahlung fordern, sind immer eine Falle. Für Monika Weiß gibt es eine goldene Regel: „Wenn ich etwas gewonnen habe, dann muss ich dafür keinen Cent bezahlen.“

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