Entführung : Natascha Kampusch will gegen Österreich klagen

Der Tag der Flucht Natascha Kampuschs von ihrem Entführer Wolfgang Priklopil jährt sich am 23. August zum zweiten Mal. Als Zehnjährige wurde sie auf dem Schulweg verschleppt und über acht Jahre gefangen gehalten. In den Wochen nach ihrer Entführung hat die Polizei geschlampt - die heute 20-Jährige fordert Schadenersatz.

Natascha Kampusch
Entführungsopfer Kampusch. -Foto: dpa

WienDas österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch erwägt wegen der möglichen polizeilichen Ermittlungspannen in ihrem Fall weiterhin eine Klage gegen den Staat Österreich. "Ja, das ist natürlich nach wie vor ein Thema", sagte die 20-jährige am Donnerstag.

Kampusch, deren Flucht aus achtjähriger Gefangenschaft sich in der kommenden Woche zum zweiten Mal jährt, war Anfang März 1998 von ihrem Entführer Wolfgang Priklopil auf dem Weg zur Schule gekidnappt worden. Erst am 23. August 2006 gelang ihr die Flucht. Kampusch betonte, in der Frage einer Schadenersatzforderung berate sie sich mit ihren Anwälten, "und man wird sehen, was dann herauskommt".

Schwere Ermittlungsfehler der Polizei

Durch Aussagen des früheren Chefs der österreichischen Kriminalpolizei, Herwig Haidinger, war Anfang dieses Jahres bekanntgeworden, dass die Polizei in den ersten Wochen nach der Kampusch-Entführung schwere Ermittlungsfehler gemacht hatte. Unter anderem wurden Spuren nicht verfolgt, die direkt zu dem Entführer wiesen. Priklopil selbst nahm sich Stunden nach der Flucht der damals 18-Jährigen das Leben.

Kampusch geht mit der Polizei scharf ins Gericht. Die Berichte über Ermittlungsfehler seien ihr "schon sehr nahe gegangen, zumal ich mir ja auch die ganze Zeit erhofft hatte in den ersten Wochen, dass die Polizei kommen würde". Nach der gelungenen Flucht aus der Gewalt ihres Entführers habe sich die Polizei "so beweihräuchert nach dem Motto "Wir haben sie gefunden" und in Wirklichkeit habe ich Kontakt mit der Polizei aufgenommen".

Insgesamt sei für sie der 2. Jahrestag ihrer Flucht, ein "normales" Ereignis. "Da ich fast jeden Tag einschneidende Erlebnisse mitmache, ist es halt ein einschneidendes Erlebnis von vielen." Nicht zuletzt durch ihre eigene Fernsehsendung bei dem kommerziellen österreichischen Sender Puls 4 sei sie "viel selbstsicherer geworden im Umgang mit anderen Menschen". (sgo/dpa)

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