Entführung : Verschleppt bis Berlin

Mehr als sechs Stunden war sie in der Gewalt von Entführern: Den Kidnappern ging es um das Auto ihres Opfers.

Tanja Buntrock

Berlin - Die Odyssee, die in dem niedersächsischen Ort Stuhr bei Bremen begann, endete am Mittwoch für eine 52-Jährige in einem Waldstück in Bergfelde im Landkreis Oberhavel. „Man kann von Glück sprechen, dass das Opfer bis auf einen Schock körperlich unverletzt geblieben ist“, sagte ein Ermittler am Mittwoch. Die Entführer, vier bis fünf maskierte Männer, sind laut Polizei über den Grenzübergang Pommellen nach Polen geflüchtet.

Nach Tagesspiegel-Informationen soll es sich um Osteuropäer handeln, die es bei der sogenannten Car-Jacking-Aktion auf den Mercedes ML des Opfers, einem hochwertigen Geländewagen, abgesehen hatten. Das Opfer, Birgit H., ist in ihrem Heimatort Stuhr keine Unbekannte: Die Familie, die dort einen großen Reifenhandel betreibt, gilt als wohlhabend.

Das räuberische Entführungsdrama begann am Dienstag kurz nach 23 Uhr. Birgit H. wurde auf dem Weg zu ihrem Reihenhaus in ihrer Straße von den Kriminellen abgefangen und in das Auto der maskierten Täter gezerrt. Die Entführer teilten sich offenbar auf und fuhren mit dem Opfer im Täterfahrzeug sowie mit dem geraubten Mercedes ML (Wert circa 100 000 Euro) über die Autobahn A1 Richtung Berlin.

Da Birgit H. – Mutter zweier Kinder – zu Hause nicht angekommen war und ein Verbrechen nicht ausgeschlossen wurde, leitete die Polizei eine Großfahndung unter der Leitung einer Sonderkommission ein. Die Täter ließen das Opfer nach mehreren Stunden Fahrt nahe der A10 zwischen Birkenwerder und Mühlenbeck frei. Im Waldstück Heideplan in Bergfelde wurde Birgit H. an Händen und Füßen gefesselt an einem Baum abgesetzt. Birgit H. schaffte es trotz Erschöpfung, ihre Fesseln zu lockern und machte sich zu Fuß auf, um aus dem Waldstück zu gelangen.

Dort entdeckte eine Autofahrerin von Weitem die Frau und rief per Handy die Polizei. Die Beamten rückten mit Spürhunden zum Fundort aus. Das Opfer wurde zur Wache mitgenommen, ärztlich versorgt und von einem Notfallseelsorger betreut, sagte ein Ermittler. Die Frau konnte erste Aussagen machen und sich telefonisch bei ihrer Familie in Stuhr melden.Tanja Buntrock

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