Entführungsopfer Stephanie : Staatsanwalt kritisiert TV-Auftritt

Heute Abend strahlt das ZDF ein Fernseh-Interview mit dem Entführungsopfer Stephanie R. aus. Die Dresdner Staatsanwaltschaft kritisiert, dass Einzelheiten ihres Martyriums veröffentlicht werden.

Dresden - "Wir haben zahlreiche Details dieses Falls bewusst nicht an die Öffentlichkeit gebracht, sondern zum Schutz des Opfers zurückgehalten", sagte der Dresdner Staatsanwalt Christian Avenarius der "Leipziger Volkszeitung". Dass die Entführung und der Missbrauch jetzt in vielen Details nachvollzogen werde könne, finde er einfach "unverantwortlich". Avenarius betonte zudem, dass Stephanie kein zweites Mal von der Staatsanwaltschaft vernommen werde.

Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte das Mädchen berichtet, in der fünfwöchigen Geiselhaft mehr als 100 Mal von ihrem Entführer missbraucht worden sein. Aus Sorge, der wegen sexuellen Missbrauchs vorbestrafte Mario M. könne die Justiz wieder an der Nase herumführen, hätten sich die Eltern an das Magazin gewandt. Laut Avenarius erhalten Sexualstraftäter bis zu einem Drittel "Strafrabatt", wenn sie ihrem Opfer mit einem Geständnis eine Aussage vor Gericht ersparen. Dies sei in diesem Fall nicht möglich, sagte Avenarius. Das zusammengetragene Beweismaterial reiche "locker" aus, um den Mann zu einer langen Haftstrafe zu verurteilen.

Stephanie wünscht lebenslange Haft

Den Wunsch nach einem öffentlichen Auftritt begründete die heute 14-Jährige auch in einem Interview der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner", das heute (23 Uhr) ausgestrahlt wird. "Erstens will ich zeigen, dass er meinen Kern nicht berührt hat - also dass ich nicht gebrochen bin", sagte die Schülerin laut dem vorab verbreiteten Interviewtext. Zudem wünsche sie sich, dass der Sexualverbrecher lebenslänglich hinter Gittern komme und "nicht irgendwie in die Psychiatrie". Denn er habe ihr gedroht, dass man da leichter ausbrechen könne als aus dem Gefängnis, sagte die 14-Jährige.

Aus diesem Grund habe sie auch gehofft, dass sich der Täter, ähnlich wie bei der Entführung der Österreicherin Natascha Kampusch, nach dem Ende der Entführung das Leben nehme. "Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich mir gewünscht, dass das bei mir so gewesen wäre. Dann bräuchte ich keine Angst mehr um meine Zukunft haben."

Der 35 Jahre alte mutmaßliche Entführer hatte die Gymnasiastin vom 11. Januar an fünf Wochen lang in seiner Wohnung in Dresden gefangen gehalten. Nur durch Zufall war das Opfer am 15. Februar befreit worden. Ein 31-jähriger Dresdner hatte in der Nähe eines Altpapiercontainers einen Zettel mit einem Hilferuf des Mädchens gefunden und sofort zur Polizei gebracht. Auf dem Blatt war die Adresse des Entführers vermerkt. (tso/ddp)

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