Welt : Entsetzliches Blutbad auf dem Schulhof

HENRIETTE LÖWITSCH (AFP)

Minderjährige erschießen in Jonesboro im US-Bundesstaat Arkansas vier Schüler und eine LehrerinVON HENRIETTE LÖWITSCH (AFP) WASHINGTON.In der Westside Middle School waren die Schüler nach dem Mittagessen gerade auf dem Rückweg in ihre Klassenzimmer, da ging der Feueralarm los.Als Lehrer und Kinder nach draußen strömten, feuerten zwei schwerbewaffnete Jungen in Tarnanzügen aus dreißig Meter Entfernung die ersten Schüsse ab.Der ganz gewöhnliche Schultag verwandelte sich in einen Alptraum: "Überall fielen Leute hin, schreiend, weinend", erzählt die 13jährige Jennifer Nightingale, deren beste Freundin bei der Gewalttat in der Schule in Jonesboro im US-Bundesstaat Arkansas starb.Insgesamt kamen vier elf- und zwölfjährige Schülerinnen ums Leben, eine Lehrerin erlag später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.Zehn weitere Personen wurden verletzt.US-Präsident Bill Clinton, der früher Gouverneur von Arkansas war, äußerte sich in einer ersten Reaktion "tief bestürzt". Als Tatmotiv kommt womöglich Liebeskummer in Frage.Der 13jährige, der gemeinsam mit seinem elfjährigen Vetter die Morde verübte, sei frustriert darüber gewesen, daß seine Freundin mit ihm Schluß gemacht habe, sagte seine elfjährige Schulkameradin Kara Tate.Er habe mehreren Mitschülern schon am Montag gesagt, er werde das Mädchen und alle anderen Schüler erschießen.Jedoch habe niemand seine Worte ernstgenommen.Seine Ex-Freundin wurde bei dem Blutbad verletzt. Zum dritten Mal binnen weniger Monate wurde eine Schule im sogenannten Bibelgürtel im Süden der USA Schauplatz eines Blutbades, bei dem halbwüchsige Schüler die Täter waren."Der Knackpunkt ist hier der einfache Zugang zu Schußwaffen", sagt Geoffrey Canada vom Rheedlan-Zentrum für Kinder in Los Angeles.Erst kürzlich veröffentlichte Zahlen des US-Bildungsministeriums zeigen ein bestürzendes Bild der Realität: An jeder zehnten US-Schule wurde im vergangenen Jahr eine schwere Gewalttat verübt.Bei 11 000 Angriffen waren Waffen im Spiel. Die Jugendlichen haben trotz lokaler Waffengesetze keine Schwierigkeiten, sich auf Messen oder bei den Eltern Gewehre und Revolver zu beschaffen.Rund 192 Millionen Schußwaffen sind in den USA im Umlauf, 32 Prozent der US-Haushalte besitzen mindestens eine Handfeuerwaffe.In Gegenden wie Arkansas sind Gewehre allgegenwärtig und keiner Altersbeschränkung unterworfen.Ein Anwohner der Westside Middle School dachte beim Hören der Schüsse an die Jagdsaison, für die es in Jonesboro sogar Schulferien gibt. Schärfere Gesetze scheitern in den USA an der einflußreichen und finanzkräftigen Waffen-Lobby - und daran, daß die meisten US-Bürger das Tragen von Waffen als eines ihrer wichtigsten Grundrechte verstehen.Über die Massenmedien werde Jugendlichen zudem vermittelt, daß Gewalt ein probates Mittel zur Konfliktlösung sei, sagt der Bostoner Arzt Howard Spivak.Das neue Blutbad sei ein Alarmsignal.Die Täter werden immer jünger. An Gewalttaten wie in Jonesboro schockt die Amerikaner besonders, daß hier in ihren Augen eine heile Welt zerbricht.Bandentum und Drogenhandel wurden bisher vor allem mit den anonymen Riesenschulen in Großstädten in Verbindung gebracht.Die Westside Middle School liegt auf dem Land und hatte nur 250 Schüler."Wer hätte je gedacht, daß so etwas in Jonesboro in Arkansas passieren kann?", fragt der örtliche Sheriff fassungslos.

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