Welt : Entwaffnet auf der Reeperbahn

Dieter Hanisch

Hamburg - In nur einer Nacht kam an der Reeperbahn einiges zusammen: 31 Messer, zwei Stahlruten, ein verbotener Schlagring, zweimal unerlaubtes Gasspray. Das ist die Bilanz einer ersten Kontrolle in der Nacht zum Samstag nach dem kürzlich erlassenen Waffenverbot. Und es gab 14 Festnahmen sowie 107 Platzverweise.

Hamburg hatte auf dem Verordnungsweg zwei städtische Gebiete zu Waffenverbotszonen erklärt. Das Tragen jeglicher Waffen – ob Pistolen, Messer oder Baseballschläger – ist auf der Reeperbahn und deren angrenzenden Straßen sowie dem Hansaplatz im Stadtteil St. Georg, der für seine Drogenkriminalität bekannt ist, verboten. Auffällige großflächige Schilder in Gelb mit durchgestrichenen Schusswaffen, Messern und Knüppeln wurden an den Rändern der beiden Zonen aufgestellt.

Hintergrund der Maßnahme war die angestiegene Zahl gewalttätiger Straftaten in beiden Bereichen, und dies speziell an Wochenenden. Durch Angriffe mit Waffen ist es immer wieder zu gefährlichen Körperverletzungen gekommen. Trotz Videoüberwachung verbesserte sich die Lage nicht. Problemfaktor Nummer eins sei aber der Alkohol, darin sind sich Beobachter einig. Um in Klubs und Discos Geld zu sparen, decken sich gerade junge Männer in Läden, Kiosken und an Tankstellen mit Promille-Getränken ein. Das sogenannte „Vorglühen“ bei jungen Erwachsenen sei für viele Gewaltexzesse verantwortlich, denen jetzt Einhalt geboten werden soll, sagen viele Hamburger.

Die Stadt fürchtet um ihren guten Ruf unter Touristen, die sich auf den Hamburger Amüsiermeilen vergnügen wollen. An Wochenenden bevölkern bis zu 200 000 Menschen diese Gebiete. Die Gewerkschaft der Polizei ist allerdings skeptisch, ob die Verfügung zu einem Rückgang der Gewalt führt. Dieter Hanisch

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