Epidemie : Weltgesundheitsorganisation erhöht Grippe-Alarmstufe

Nach den ersten nachgewiesenen Schweinegrippe-Fällen in Europa hat die Weltgesundheitsorganisation den Alarm für eine Grippe-Pandemie auf die dritthöchste Stufe heraufgesetzt. Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft hat ein Krisentreffen der Gesundheitsminister einberufen.

BerlinDie WHO erhöht ihre Alarmstufe von drei auf vier. Alarmstufe vier bedeutet, dass ein neues Grippevirus von Tieren auch Menschen infizieren kann und von Mensch zu Mensch übertragen wird. Bei der höchsten Stufe sechs wird von einer weltweiten Ausbreitung des Virus, also von einer Pandemie ausgegangen.

Die WHO empfiehlt derzeit keine Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen, erklärte die Organisation auf ihrer Website. Wenn möglich sollten aber Reisen in gefährdete Gebiete vermieden werden. Der Verzehr von gekochtem Schweinfleische und Produkten aus Schweinefleisch sei nicht gefährlich.

Deutsche Flughäfen in Alarmbereitschaft

Auch das Auswärtige Amt verschärfte seine Reiseempfehlungen für Mexiko. "Von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Mexiko wird derzeit abgeraten", heißt es auf seiner Internet-Seite. Die deutschen Flughäfen sind ebenfalls in Alarmbereitschaft. Das Personal ist aufgefordert, Flugpassagiere zu melden, die aus den gefährdeten Gebieten anreisen und Anzeichen einer Grippeerkrankung zeigen.

In Mexiko, wo das Virus zuerst aufgetaucht war, wurden bisher etwa 150 Grippetote gezählt. Der Erreger wurde bislang bei mindestens 20 der Gestorbenen gefunden.

Im ganzen Land werden nach Regierungsangaben fast 2000 Grippekranke in Kliniken behandelt. Nachgewiesen wurde das mutierte Virus jedoch erst bei 172 Menschen. Die Regierung von Mexiko-Stadt erwog, das Wirtschaftsleben der 20-Millionen-Metropole vorübergehend ruhen zu lassen, um die Virus-Ausbreitung zu hemmen.

Virus hat Europa erreicht

Mediziner in Spanien und Großbritannien wiesen am Montag das mutierte Virus H1N1 bei insgesamt drei kürzlich zurückgekehrten Mexiko-Reisenden nach. In Deutschland konnte zunächst für alle Verdachtsfälle Entwarnung gegeben werden. Bei zwei Patienten in Schottland wurde der Erreger in Tests ebenfalls nachgewiesen.

In den USA verdoppelte sich die Zahl der bestätigten Fälle von 20 auf mindestens 40, allein 28 der Patienten waren Schüler an einem New Yorker Privatgymnasium.

Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft rief ein Krisentreffen der Gesundheitsminister ein. Sie werden voraussichtlich am Donnerstag in Brüssel zusammenkommen, um die Bedrohung durch das Virus einzuschätzen und Gegenmaßnahmen zu koordinieren. (sba/dpa)

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