Welt : "Er ist in Gottes Hand"

In Polen strömen zahl zahlreiche Menschen in die Kirchen, um für "ihren" Papst zu beten. (01.04.2005, 13:10 Uhr)

Warschau/Krakau - Von den frühen Morgenstunden an strömten die Menschen in Polen am Freitag in die Kirchen. Aufgeschreckt durch die seit dem Vorabend immer dramatischer klingenden Berichte über den schwer kranken Johannes Paul II., beteten sie für «ihren» Papst. Viele hatten Tränen in den Augen, wirkten verstört und besorgt. «Das ist so traurig», sagte eine Warschauer Studentin. «Ich kann nur darauf hoffen, dass das Gebet etwas ausrichtet.»

Eine ältere Frau gab sich weniger zuversichtlich. «Ich habe wenig Hoffnung», meinte sie mit zitternder Stimme. Bedrückt wirkte auch die Warschauerin Janina Gronecka, die mit ihrer Tochter und ihrer Nachbarin in Sankt-Anna-Kirche gegangen war, um dort eine Kerze für den Papst anzuzünden und zu beten. «Ich habe es zu Hause einfach nicht mehr ausgehalten, ich musste hierher kommen», sagte sie, ihr Gesicht voller Sorge.

«Der Heilige Vater ist in Gottes Hand», betonte eine Kirchgängerin in Krakau, der früheren Bischofsstadt von Karol Wojtyla. Hier fühlen sich die Menschen besonders tief mit dem Kirchenoberhaupt verbunden, hier feierte er bei den Besuchen in der polnischen Heimat seine größten Triumphe. In ganz Polen lieben und verehren Gläubige und Nichtgläubige den Papst, der als große moralische Autorität gilt - aber in Krakau und in seinem Geburtsort Wadowice ist er immer noch einer von ihnen.

In Wadowice machten am Freitag viele Schulkinder in der Kirche halt, in der der Papst vor 84 Jahren getauft wurde, die Erstkommunion empfing und später Messdiener war. Alte Frauen saßen in den Kirchenbänken, beteten den Rosenkranz. «Ich bete jeden Tag für den Papst», sagte die 73-jährige Czeslawa Tyrypon. «Sein Leiden ist auch mein Leid.»

In Krakau rief Kardinal Franciszek Macharski die Menschen zum Gebet unter dem Fenster des Bischofspalastes auf. Hier hatten vor allem Jugendliche beim letzten Besuch des Papstes skandiert: «Bleib bei uns», hier hatten sie nach dem Attentat 1981 um seine Genesung gebetet. Die polnischen Bischöfe appellierten an die Gläubigen, für die Genesung des Papstes zu beten. Nur wenige, wie der Rektor der Päpstlichen Akademie in Warschau, Bischof Tadeusz Pieronek, machten deutlich, dass für einen Sterbenden gebetet wird. «Was immer geschieht, wir müssen uns damit abfinden», sagte er. «Wenn Gott den Papst zu sich nimmt, müssen wir das im Glauben akzeptieren.» (Von Eva Krafczyk, dpa)

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