Welt : Er kam als der Tod

Ein 19-Jähriger hat den Mord an der zwölfjährigen Vanessa aus Gersthofen bei Augsburg gestanden. Bei dem jungen Mann handele es sich um einen Auszubildenden, der aus Ostdeutschland stamme und vor zwei Jahren in den Raum Augsburg gezogen sei, berichtete die Polizei am Freitag. Kurz vor dem Mord war er nahe dem Tatort mit einer Totenkopfmaske verkleidet gesehen worden. Er war Donnerstag nach zwei Hinweisen aus der Bevölkerung an seinem Arbeitsplatz als dringend tatverdächtig festgenommen worden.

Zunächst hatte ihn die Polizei als Zeugen gesucht. Der 19-Jährige sollte noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Zum Thema Chronologie: Fahndung nach Mord an Vanessa Bei seiner Vernehmung verwickelte sich der Mann zusehends in Widersprüche. Schließlich legte er ein Geständnis ab. Oberstaatsanwalt Nemetz sagte, der Festgenommene habe Details geschildert, die nur der Täter wissen konnte. In seiner Wohnung wurde das Faschingskostüm mit der Totenkopfmaske gefunden. Vermutlich kannte er das Mädchen nicht. Zu einem möglichen Motiv wollten sich Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag nicht äußern. Wie der Täter in die Wohnung gelangte, wo er Vanessa mit einem Messer umbrachte, ist weiter unklar. Vanessa war in der Nacht zum Faschingsdienstag in ihrem Kinderzimmer erstochen worden, während die Eltern auf einem Ball waren und ihr zehnjähriger Bruder nebenan schlief. An dem Haus waren keine Einbruchspuren festgestellt worden. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, war kurz nach dem Verbrechen gefunden worden.

Der Leiter der Augsburger Staatsanwaltschaft, Reinhard Nemetz, sprach von einem "herausragenden Ermittlungserfolg". Von dem jungen Mann gehe ein außergewöhnlich hohes Gefährdungspotenzial aus.

Die Sonderkommission kam ihm durch zwei Hinweise aus der Bevölkerung auf die Spur. Ein Mann und eine Frau hätten über den Maskenmann berichtet. Die Polizei hatte 180 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, 213 Zeugen befragt und etwa 160 Spuren gesichert. Die wichtigste Spur ist das in Tatortnähe sichergestellte 31 Zentimeter lange Küchenmesser, das sich als Tatwaffe herausstellte.

Der Täter hatte keine Einbruchsspuren hinterlassen. Vanessa war in der Nacht zum Faschingsdienstag von ihren Eltern, die von einem Ball heimkehrten, blutüberströmt und leblos aufgefunden worden. Sie versuchten vergeblich, das Kind wiederzubeleben. Vanessas zehnjähriger Bruder hatte in seinem Zimmer geschlafen als der Mörder kam. Für die Einwohner der 20000-Einwohner-Stadt Gersthofen war die Bluttat ein großer Schock.

Auch Vanessas Mitschüler der Staatlichen Realschule in Meitingen reagierten mit Trauer, Wut und Verzweiflung. Erschreckt waren die Menschen vor allem von der Tatsache, dass die Schülerin in ihrem Kinderzimmer umgebracht worden war. Unter großer Anteilnahme von mehr als 1000 Trauergästen wurde das Mädchen am vergangenen Montag beigesetzt.

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