Welt : „Er war ein guter Erzähler“

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Herr Messner, haben Sie Heinrich Harrer gekannt?

Ich habe ihn gut gekannt. Ich habe nie eine Expedition mit ihm unternommen, er ist eine ganz andere Generation. Aber wir haben uns öfter gesehen und uns unterhalten. Ich habe immer die Fähigkeit Harrers bewundert, sehr mutig risikoreiche Expeditionen zu unternehmen. Bewundernswert war auch seine Ausdauer und vor allem seine Entscheidungsfreude. Harrer hat einen Sinn für die wirklichen Abenteuer gehabt. Er war allerdings nicht der beste Bergsteiger seiner Zeit.

Er hat als Erster die Eiger-Nordwand bezwungen.

Dieses Verdienst bleibt für alle Zeiten, das ist keine Frage.

Was haben Sie an ihm noch bewundert?

Harrer war ein guter Erzähler, er stand zwischen Abenteuer und Wissenschaft und konnte vielen Menschen auf der Welt Wichtiges erzählen. Er hat den Europäern von fremden Welten erzählt und er hat dem Dalai Lama in jungen Jahren umgekehrt die westliche Welt erklärt.

Sie sind Abenteurer, Harrer war Abenteurer, wo hört die Gemeinsamkeit auf?

Harrer hatte einen Wertekatalog, den ich nicht teile. Das ist nicht meine Welt. Er hat bis zum Schluss nicht hinterfragt, welche Werte von den Nazis in den 30er Jahren hochgehalten wurden. Der große Unterschied zwischen ihm und mir ist, dass ich mein Menschenbild nicht von einem System diktieren lasse. Ich will bei meinen Expeditionen in den Himalaya oder die Wüste Gobi heraushören, wie wir Menschen sind, nicht wie das System uns sieht.

Das Interview führte Andreas Oswald

Reinhold Messner ist Abenteurer, Extrembergsteiger, Wüstendurchquerer. Er bewundert Heinrich Harrer, er distanziert sich aber auch deutlich von seinen Ansichten.

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