Welt : „Er war einfach ein feiner Mann“

Anfangs mochten sie Prinz Claus nicht – doch dann schlossen die Niederländer den Deutschen in ihr Herz

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Von Klaus Bachmann, Den Haag

Die Vorstellung im Königlichen Theater Carré zu Amsterdam ging noch wie vorgesehen zu Ende. Dann ließ die Direktion die Vorhänge zuziehen und ein schwarzes Tuch herablassen. Der Schauspieler, der die Hauptrolle gespielt hatte, trat vor das Publikum und verkündete die traurige Botschaft: Prinz Claus, Ehegatte von Königin Beatrix, war am Sonntag um 19 Uhr im Amsterdamer Universitätskrankenhaus an Lungenversagen und der Parkinsonschen Krankheit gestorben. Ein Seufzen ging durch den großen Saal. Vor dem Krankenhaus erschienen bereits die ersten spontanen Trauergäste, um Kerzen anzuzünden und Blumen niederzulegen. „Er war einfach ein feiner Mann“, schluchzte eine junge Frau in eine TV-Kamera. Das Fernsehen änderte noch am Abend kurzfristig das Programm, sendete Erinnerungen an den Prinzen, alte Aufnahmen und lud Gäste zu Gesprächen über das traurige Ereignis ein.

Staatstrauer gibt es in den Niederlanden nicht. Für Trauerbekundungen sind die Gemeinden, Betriebe, Behörden und Bürger selbst verantwortlich. Daher wird erst jetzt deutlich, wie beliebt der aus Deutschland stammende Sohn eines Gutsbesitzers in den Niederlanden im Lauf der Jahre geworden ist. Premierminister Balkenende würdigte Claus als „großen Mann“, der einen warmen Platz im Herzen der Niederländer gefunden habe. „Sein Tod hat uns alle wie ein Schlag getroffen.“ Balkenende hob besonders Claus Humor hervor. „Er wusste stets genau, was er als Gatte der Königin tun konnte, und was nicht.“ Dem Fraktionschef der Rechtsliberalen, Gerrit Zalm, hat besonders Claus Selbstironie gefallen: „Das ist in Deutschland nicht üblich. Was das angeht, ist er ein echter Niederländer geworden."

Als Claus von Amsberg 1966 die niederländische Kronprinzessin Beatrix heiratete, boykottierte noch ein Teil der Parlamentsabgeordneten und der Amsterdamer Stadträte die Feierlichkeiten, ehemalige Widerstandskämpfer protestierten, und vor und während der Hochzeit lieferten sich Demonstranten und Polizei Straßenschlachten. Claus war nicht nur Deutscher, er war während der letzten Kriegsmonate Wehrmachtsoffizier in Italien und zuvor Hitlerjunge gewesen. Aber mit seinem fließenden Niederländisch, seiner unkonventionellen, sehr menschlichen Art, die stark mit dem herrschaftlichen, oft unterkühlten Gebaren seiner Frau kontrastierte, verschaffte er der Monarchie in den Jahren danach ein volksnahes Image.

Die Leiche von Prinz Claus wurde am Montag aus Amsterdam in den Wohnpalast von Königin Beatrix, das „Haus ten Bosch“ in Den Haag, überführt. Dort soll die königliche Familie von dem Toten Abschied nehmen. Am Mittwoch ist geplant, Claus in den Arbeitspalast Nordende in Den Haag zu bringen, wo dann die Bevölkerung von ihm Abschied nehmen kann. Ende der Woche wird das Königliche Haus ein Kondolenzregister für die Bevölkerung auflegen. Die Beerdigung soll Mittwoch nächster Woche in der Nieuwe Kerk in Delft stattfinden, wo sich die Oranje-Gruft befindet, in der bereits 43 Mitglieder der königlichen Familie ihre ewige Ruhe fanden.

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