Erbstreit : Ein echter schwedischer Krimi

Seine Milleniumstrilogie ist längst kein Geheimtipp mehr. Stieg Larsson schrieb Bestseller und starb vor deren Veröffentlichung – nun wird um das Erbe des Autors gekämpft.

André Anwar
Stieg Larsson
Stieg Larsson -Foto: dpa

Stockholm„Ich werde größer als Mankell!“, soll er einmal im Scherz gesagt haben. Das wäre der Schwede Stieg Larsson vielleicht auch geworden, wäre er nicht 2004 im Alter von nur 50 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Drei Romane hatte Larsson bis dahin geschrieben, sie jedoch erst kurz von seinem Tod an einen Verlag geschickt. Dass sie sich allein im neun Millionen Einwohner zählenden Schweden zwei Millionen Mal verkauften, erlebte er nicht mehr. Auch in Deutschland ist die Millenniumstrilogie mit den Titeln „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ keine Geheimtipp mehr. Seit März 2006 sind im gesamten deutschsprachigen Raum mehr als 600 000 Larsson-Bücher über die Ladentheke gegangen.

Um das Vermögen des Autors tobt seit Jahren ein bizarrer Erbstreit zwischen Larssons Familie auf der einen und der langjährigen Lebensgefährtin auf der anderen Seite, in dem sich zunächst Vater und Bruder des Schriftstellers durchgesetzt hatten. Doch nun ist ein Testament aus dem Jahr 1977 aufgetaucht, nach dem Larsson sein Geld einer Kommunistischen Partei vermachen wollte. Laut einer Reportage des schwedischen Fernsehens SVT schreibt er: „Ich werde wohl kaum was vermachen können, aber ich will, dass mein Vermögen aus reinem Geld dem Kommunistischen Arbeiterverbund Umeå zufällt“.

„Wir glaubten zunächst, das sei ein Scherz“, sagt Jan-OIlov Carlsson aus dem Parteiverband in Umeå. Weil Larsson zeitlebens gegen Rechtsradikale agierte und schrieb, wolle die Partei das Geld im Kampf gegen Neonazis einsetzen. Allerdings ist nicht sicher ob ihr das Geld zugesprochen wird. Larsson hatte für das Testament keine Zeugen. Deshalb ist es rechtlich nicht bindend. Auch bleibt die Frage strittig, was Larsson eigentlich mit „Vermögen aus reinem Geld“ meinte.

Eva Gabrielsson, die Frau mit der Larsson 25 Jahre seines Lebens verbrachte und die keine Ansprüche durchsetzen konnte, weil sie nicht mit dem Autoren verheiratet war, will ohnehin kein Geld. Sie fordert die Verwaltungsrechte für die Werke, an deren Entstehung sie durch Rat und Beistand beteiligt war. Doch Bruder und Vater des Toten sind unerbittlich. Sogar aus der Wohnung in Stockholm wollen sie Eva rausschmeißen, wenn sie nicht das auf Larssons verschwundenem Laptop gespeicherte Manuskript seines vierten Romans herausrücke.

In Larssons kleiner Heimatstadt Umeå, wo Vater und Bruder noch immer leben, werden sie auf der Straße für ihr Verhalten gegenüber dessen Lebensgefährtin beschimpft. Deshalb gaben sie in einer Lokalzeitung nun möglicherweise bekannt, eventuell einen Teil des Vermögens an die Kommunistische Partei abzutreten.

Der Tote könnte den Erbstreit wohl kaum nachvollziehen. Für den Idealisten und Antimaterialisten spielte Geld nie eine Rolle. Das Einzige was sie sich anschaffen wollten, sei ein zweites Sofa gewesen, erzählt Freundin Eva. Denn Larsson besetzte ständig das einzige Sofa der Wohnung mit seinem Laptop, während er schrieb. Aber ein wenig Ruhm hätte ihm gut getan, sagt sie. Das gilt wohl auch für die Tatsache, dass Larsson von der Fachwelt längst mit Mankell verglichen wird. „Henning Mankell und Stieg Larsson haben gemeinsam, dass sie sehr spannend schreiben können. Larsson verkörpert die jüngere Krimigeneration und schreibt moderner“, sagt Kaj Scheuler, Literaturredakteur von „Svenska Dagbladet“. Doch Larsson sei eben auch Journalist gewesen. „Das merkt man den Büchern an. Die sind gut geschrieben, aber manchmal leider ein wenig kantiger als Mankells.“

Wie Mankells Wallander-Serie, wird zudem auch Larssons Millenniumtrilogie verfilmt. Das ZDF ist daran beteiligt. Der erste Film wird vorrausichtlich im Frühjahr 2009 in Deutschland ausgestrahlt.

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