Erdbeben : Hilfe für die Tibeter

Pekings Regierung unternimmt alles, um Retter und Güter in die schwer erreichbare Region zu schicken. Viele der entsendeten Helfer werden in 4000 Metern höhenkrank.

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Ihre roten Roben sind mit Staub bedeckt. Und dennoch fallen die buddhistischen Mönche auf. Doch sie sind nur einige von vielen Helfern, die in der fast vollständig zerstörten Stadt Jiegu nach Überlebenden suchen. Dennoch sah auch Vizeministerpräsident Hui Liangyu die rund 20 buddhistische Mönche bei seinem Besuch in Jiegu. Sofort nutzte er die Gelegenheit, um sie propagandistisch für die Einheit des Staates einzuspannen. „Ihre Teilnahme an der Rettungsaktion demonstriert umfassend die Liebe der Mönche und der Gläubigen für die Nation, die Religion und die Heimat“, verkündete der Vizepremier über die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Doch an Politik denkt außer Hui Liangyu im Katastrophengebiet im tibetischen Hochland wohl kaum jemand. Denn auch einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben in China kommen die Rettungsarbeiten nur schleppend voran. Noch immer müssen zahlreiche Helfer mit bloßen Händen nach Überlebenden suchen. Weiterhin fehlt es in der Unglücksprovinz Qinghai an schwerem Gerät. Nur langsam treffen Bagger und andere Räumfahrzeuge in der Region ein.

Das ist allerdings nicht die Schuld der Pekinger Regierung, die sich ganz offensichtlich alle Mühe gibt zu helfen. Die geografische Lage der betroffenen Präfektur Yushu auf fast 4000 Metern Höhe erschwert die Rettungsarbeiten ungemein. Das dünn besiedelte und unwegsame Gebiet war schon vor der Katastrophe nur schwer zugänglich und verfügte nur über wenige und schlechte Straßen. Dann die Höhe: Viele der sofort eingeflogenen Helfer sind die dünne Luft in 4000 Metern Höhe nicht gewohnt, sie leiden unter der Höhenkrankheit. Dennoch konnten nach offiziellen Angaben mehr als tausend Menschen lebend geborgen werden. Die Zahl der Toten ist auf 617 gestiegen. Über 9000 Menschen sind verletzt. Hunderte werden noch vermisst.

Tausende verzweifelte Überlebende mussten wegen der Nachbebengefahr die Nacht zum Donnerstag im Freien verbringen, obwohl die Temperaturen kaum über dem Gefrierpunkt lagen.

Die umgehende professionelle Hilfe der Pekinger Regierung könnte ihr auch politisch helfen. Das betroffene Bebengebiet in der Provinz Qinghai liegt auf dem Hochplateau direkt an der Grenze zu Tibet. Viele Tibeter leben in dieser Nachbarprovinz. Angesichts der Spannungen in der Vergangenheit wäre es eine Katastrophe für Peking, wenn der Eindruck entstünde, dass die Behörden bei der Hilfe versagten.

Das tun sie nicht. Ein riesiger Apparat wurde in Bewegung gesetzt. Mittlerweile sind erste Hilfslieferungen in dem entlegenen Erdbebengebiet eingetroffen. Darunter dringend benötigte Zelte, Decken, Kleidung und Nahrung. Über 8000 Zelte trafen am Donnerstag in der Unglücksregion ein. Weitere 28 800 sollen folgen. „Die Zelte reichen für 100 000 Menschen aus“, sagte Zhou Ming, Direktor des Verwaltungsministeriums in Peking. Auch wenn die Hilfsmaßnahmen auf Hochtouren laufen, ist die Situation weiter angespannt. „Mit Fahrzeugen wurde Trinkwasser und Nahrung nach Yushu gebracht, aber es ist bei Weitem nicht genug“, erläuterte ein Provinzsprecher. Regierung und Militär organisierten mehrere Transportflugzeuge. Tausende Rettungskräfte und zahlreiche Ärzteteams wurden mobilisiert. Doch die medizinische Versorgung der vielen Verletzten ist bisher schwierig, da es an einfachsten medizinischen Dingen fehlt.

Erdstöße der Stärke 7,1 hatten die Stadt Jiegu, den Verwaltungssitz der Präfektur Yushu, zu mehr als 80 Prozent zerstört. Rund 15 000 Häuser seien eingestürzt, erklärten die Behörden. Auch elf Schulen hat das Erdbeben allein in der Stadt Jiegu einstürzen lassen. Nach vorläufigen Angaben kamen 66 Schüler und zehn Lehrer ums Leben. Dutzende Schüler wurden noch unter den Trümmern vermisst. Auch wenn die Zahl der zerstörten Schulen und getöteten Kinder nicht so hoch ist wie bei dem Beben im Mai 2008 in der Provinz Sichuan – der Einsturz der Schulen weckte Erinnerungen an das verheerende Erdbeben mit 87 000 Toten. Damals waren tausende Kinder ums Leben gekommen, weil viele Schulgebäude durch Pfusch am Bau eingestürzt waren, während andere Häuser den Erdstößen standgehalten hatten.

Am Donnerstag ist auch Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in das Erdbebengebiet gereist, damit sich der Regierungschef selbst ein Bild von den Zerstörungen und den Hilfsmaßnahmen machen kann. Von Kameras begleitet. Damit sich die Welt ein Bild machen kann, wie sich die Regierung um die Menschen kümmert.

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