Erdbeben in Chile : Zahl der Opfer steigt auf 300

Nach dem Beben in Chile sind zahlreiche Menschen noch verschollen, die Kommunikation mit den betroffenen Gebiete ist schwierig. Der befürchtete Riesen-Tsunami blieb aus.

Chile
Rettungskräfte bergen eine verletzte Frau aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses. -Foto: AFP

Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben der Stärke 8,8 und dem folgenden Tsunami in Chile wird Behördenangaben zufolge weiter steigen. Carmen Fernández, die Direktorin des Notstandsbüros im chilenischen Innenministerium sagte am Samstagabend, das Ausmaß der Katastrophe werde frühestens in drei Tagen feststehen.

Bislang seien 392 Tote gefunden worden, berichteten chilenische Medien unter Berufung auf Informationen aus dem Zentrum für Katastrophenschutz. Vor allem in den am stärksten Betroffenen Regionen von Maule und Bíobío gelte zahlreiche Menschen als verschollen. Wassermangel, Kommunikationsprobleme und die Isolierung der Küstenregionen könnten die Lage nach und nach verschlimmern. Verteidigungsminister Francisco Vidal sprach von einer "Tragödie".

Unterdessen hat in der Stadt Concepción ein Wettlauf mit dem Tod begonnen. Dort ist bei dem Beben ein Gebäude mit 14 Stockwerken in zwei Teile zerbrochen. Wie die Zeitung La Tercera berichtete, wurden bis zum späten Abend (Ortszeit) etwa 30 Menschen lebend aus den Trümmern befreit, 60 Menschen seien jedoch noch in dem Komplex gefangen, der jederzeit ganz einstürzen könnte, berichtete das Blatt.

Finanzminister Andrés Velasco sagte den Opfern finanzielle Unterstützung zu. Der Staatshaushalt sei flexibel, sodass das Land in der Lage sei, derartige Katastrophen zu bestehen.

Seit dem Megabeben wurden mehr als 70 Nachbeben mit einer Stärke von mindestens 4,9 registriert, berichtete die US-Geologiebehörde USGS. Die vorsorglich für die Pazifikregion ausgegeben Tsunami-Warnung wurde inzwischen wieder weitgehend zurückgenommen; die befürchtete Riesenwelle blieb aus. Nur für Japan und die russische Pazifikküste wurde die Warnung beibehalten.

Am Sonntag erreichten erste kleinere Wellen den Norden Japans und die russische Küste. Wie der japanische Fernsehsender NHK am Sonntag meldete, wurden an der Küste der nördlichsten Provinz Hokkaido im Gebiet der Stadt Kushiro Wellen von 30 Zentimetern beobachtet. Berichte über mögliche Schäden lagen zunächst nicht vor. Aus Furcht vor einem Tsunami hatten die Behörden zuvor Zehntausende von Bewohnern an der gesamten Pazifikküste des Inselreiches aufgefordert, sich auf Anhöhen in Sicherheit zu bringen.

Nach Angaben der nationalen Meteorologischen Behörde könnte ein Tsunami von einer Höhe bis zu drei Metern die Küste des Landes erreichen. Allein in den nördlichen Provinzen Aomori und Miyagi wurden 12.000 beziehungsweise 13.500 Haushalte aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Bahnbetreiber stoppten sicherheitshalber den Betrieb mehrerer Züge, unter anderem auch in der Hauptstadt Tokyo. Auch Abschnitte von Autobahnen wurden wegen der Tsunami-Warnung gesperrt. Die Regierung in Tokyo richtete einen Notfallstab ein.

Im Süden der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Russlands sei der Meeresspiegel um 40 Zentimeter gestiegen, meldete die Agentur Ria Nowosti am Sonntag. Einige Bewohner der Kurilen-Inselkette mussten sicherheitshalber ihre Wohnungen verlassen. Berichte über Schäden lagen nicht vor.

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet versuchte am Samstagabend, ihren Landsleuten Mut zu machen: "Wie bei früheren Katastrophen werden wir auch diese Probe bestehen", sagte sie bei einer Fernsehansprache. Nach ihren Angaben waren zwei Millionen Menschen direkt von dem Beben betroffen und 1,5 Millionen Wohnungen teilweise oder ganz zerstört.

Außer den erheblichen Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur in der Hauptstadt Santiago und anderen Großstädten weiter im Süden des Landes wurden weite Küstenstriche durch große Flutwellen verwüstet. Bachelet hat die betroffenen Regionen zum Notstandsgebiet erklärt.

Die mächtigen Erdstöße am Samstag um 3.34 Uhr Ortszeit hatten die Menschen im Schlaf überrascht. Hunderttausende rannten in Panik aus ihren Häusern und kampierten aus Angst im Freien. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte etwa 92 Kilometer nordwestlich der Stadt Concepción.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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