• Erdbeben in China: Mehr als 18.000 Menschen in einer einzigen Stadt verschüttet

Erdbeben in China : Mehr als 18.000 Menschen in einer einzigen Stadt verschüttet

Nach dem schweren Erdbeben in China steigen die Opferzahlen stetig weiter. Noch ist ungewiss, wie viele Menschen in der gesamten Katastrophenregion unter den Trümmern liegen. Nachbeben versetzen die Bevölkerung weiter in Panik. Der Olympische Fackellauf wurde wegen der Katastrophe verkürzt.

China Erdbeben Foto: dpa
Aufräumarbeiten werden durch Nachbeben behindert. -Foto: dpa

Peking/Neu Delhi/PotsdamNach dem schweren Erdbeben in China werden allein in Mianyang im Südwesten des Landes mehr als 18.000 Verschüttete vermisst. In der Stadt in der Provinz Sichuan seien mehr als 3600 Menschen getötet worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag. Allein in der Provinz Sichuan wurden inzwischen mehr als 12.000 Leichen geborgen.

Ein starkes Nachbeben hat indes für neue Panik in der Unglücksprovinz gesorgt. In der Provinz-Hauptstadt Chengdu wackelten am erneut Bürogebäude, Menschen strömten in Panik auf die Straßen. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua hatte das Nachbeben die Stärke 6,1 auf der Richterskala. Der Potsdamer Wissenschaftler Rainer Kind erklärte, in den nächsten Monaten müsse weiterhin mit schweren Nachbeben gerechnet werden. "Diese Beben können Stärken bis 6,5 oder mehr erreichen", sagte der Leiter der Sektion Seismologie am Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam.

Das verheerende Erdbeben am Montag hatte die Stärke 7,8. Dabei starben nach neuen offiziellen Angaben fast 12.000 Menschen. Es seien nach aktuellen Erkenntnissen 11.921 Menschen getötet worden, teilte ein Regierungsvertreter mit. Rettungskräfte befürchten allerdings, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigen wird. Nach Angaben des chinesischen Roten Kreuzes benötigten die Überlebenden dringend Zelte, Decken, Lebensmittel und Trinkwasser sowie Medikamente

Regierung befürchtet Umweltkatastrophe

China hat rund 50.000 Soldaten mobilisiert, die in der am schlimmsten vom Erdbeben betroffenen Provinz Sichuan und den umliegenden Regionen helfen sollen. Ein Team von 1300 Medizinern und Militärangehörigen erreichte am Dienstag die Gegend um das Epizentrum des Bebens im Bezirk Wenchuan.

Das Umweltministerium in Peking kündigte zur Verhinderung eines Atomunfalls an, Experten in die betroffenen Gebiete zu entsenden. Durch Kontrollen sollten mögliche Umweltkatastrophen verhindert werden, insbesondere durch Schäden in Kernkraftwerken, teilte das Ministerium auf seiner Internetseite mit. 21 Experten sollen demnach die Sicherheit von Kernkraft-, Chemie- und Zementwerken sowie weiteren "empfindlichen" Anlagen sicherstellen. Die Umweltbehörden in mindestens einem Dutzend Provinzen im Westen, Norden und Zentrum des Landes hätten bereits Anweisung erhalten, entsprechende Kontrollen vorzunehmen.

Lob an China vom Dalai Lama

Lob für die Reaktion der chinesischen Behörden nach dem verheerenden Beben kam vom Dalai Lama: "Wir schätzen die schnelle Erwiderung der chinesischen Behörden, die Rettungsteams aufgestellt haben", sagte der Sprecher des geistlichen Oberhauptes der Tibeter, Thubten Samphel. Gleichzeitig sprach der Dalai Lama den Angehörigen der knapp zehntausend Todesopfer sein Beileid aus: "Wir sind voller Mitgefühl für die hinterbliebenen Familien dieser großen Tragödie." Ein Vertreter der tibetischen Exil-Regierung erklärte, der Dalai Lama wolle einen Beileidsbrief an Präsident Hu Jintao verfassen.

Unterdessen teilte das Olympia-Organisationskomitee (BOCOG) mit, dass der olympische Fackellauf in China trotz des schweren Erdbebens mit mindestens 10.000 Toten wie geplant fortgesetzt werden solle. Auch die Etappe durch die betroffene Provinz Sichuan werde nach derzeitigem Stand nicht beeinträchtigt, sagte BOCOG-Sprecher Zhang Zhaonan. Die Flamme soll vom 15. bis 18. Juni durch sieben Städte in Sichuan getragen werden, unter anderem die nicht weit des Epizentrums gelegenen Städte Mianyang und Guanghuan sowie die Provinzhauptstadt Chengdu. (nim/ut/dpa/AFP)

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